Bücherei
Regal 1
Es stellt sich nun die Frage. "Welches
sind die
Ursachen,
die
die Krankheit beim einen ausbrechen lassen,
während
sie sich
beim anderen erst viel später oder
überhaupt
nicht
manifestiert?"
Es gilt heute als gesichert, daß
Überernährung
und mangelnde
körperliche Bewegung den Ausbruch eines
Diabetes
bei
vorhandener Anlage fördern. Die
unfreiwilligen
Massenversuche
der Kriegsjahre mit ihren Entbehrungen haben dies
drastisch
gezeigt. Die Zahl der manifesten Diabetiker war zu
diesen
Zeiten erheblich geringer. Man kann damit mit
Recht den
Diabetes mellitus als Wohlstands - oder
Zivilasitionskrankheit
bezeichnen. Dies gilt jedoch nur für den
meist mit
Übergewicht
verbundenen Altersdiabetes. Auch bezüglich
dieser
Diabetesursache muß zwischen dem biochemisch
und
klinisch
unterschiedlichen jugendlichen
Insulinmangeldiabetes
und dem
Erwachsenendiabetes unterschieden werden.
Zum Ausbruch des Erwachsenendiabetes, bei
vorhandener
diabetischer Anlage, kommt es vor allem dann, wenn
die
insulinproduzierenden Betazellen der
Bauchspeicheldrüße
dauernd
überfordert werden. Dies geschieht dadurch,
daß
andauernd eine
große Insulinmenge produziert werden
muß,
um den Fettaufbau und
die Fetterhaltung zu fördern. Ist der
Inselapparat
nun durch
eine vorhandene diabetische Anlage
geschwächt, so
kommt es mit
der Zeit zur Erschöpfung der Betazellen.
Dies führt über die Vorstufen
Prädiabetes
- Suspekter Diabetes - latenter oder
asymptomatischer Diabetes schließlich zum
manifesten
Diabetes
mit seinen typischen klinischen Symptomen wie
Polyurie
usw.
Ein auf diese Weise zustandegekommener
Diabetes kann
durch
rigorose Null-Diät in manchen Fällen
völlig
verschwinden, d. h.
auf eine seiner Vorstufen z. B. den
asymptomatischen
Diabetes
zurückfallen.
Völlig anders ist die Lage beim
juvenilen
Diabetes.
Man nimmt
hier als Erklärung an, daß sich eine
Anlage
im Lauf des Lebens
verstärkt oder verschlimmert bis zu dem
Zeitpunkt,
an dem die
Krankheit "ausbricht". Übergewicht spielt bei
der
Manifestation
sicher keine Rolle. Die Betroffenen sind eher zu
groß
für ihr
Gewicht, was auf einen vorausgegangenen
Wachstumsschub
schließen läßt. Dies ist vor
allem
deshalb
von Bedeutung, weil
das Wachstumshormon einen gewissen Gegenspieler
des
Insulins
darstellt. Man nimmt hier an, daß der
Ausbruch
einer
Zuckerkrankheit auch durch die an sich normalen
Veränderungen
im Wechselspiel der Hormondrüsen beschleunigt
oder
gefördert
wird. Auch gelegentliche
außergewöhnliche
Belastungen können
den Übergang von der Anlage in die Krankheit
begünstigen.
Dazu
gehören schwerste allgemeine Erkrankungen,
Infektionskrankheiten und große Operationen.
Literatur: (3) (6)