Diabetiker-Mailbox
Bücherei
Regal 1
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2.4 Virusinfektion als
Ursache
des
Diabetes mellitus
Eine
durch Viren hervorgerufene Entzündung der
Bauchspeicheldrüse führt nur sehr selten
durch
Schädigung der
Betazellen der Bauchspeicheldrüse zu einem
Diabetes
mellitus.
Wie jedoch Gamble u. Mitarb. /Gamble, D. R.;
Kinsley,
M. L.;
Fitzgerald, M. G.; Bolton, R.; Taylor, K. W.:
Viral
antibodies
in Diabetes mellitus. Brit. med. J. 1969/3 S.
627-630/
feststellten, enthält das Blut jugendlicher
Diabetiker
eindeutig häufiger Antikörper gegen
bestimmte
Viren, als das
Blut von Kontrollpersonen.
Sie
schließen daraus, daß
Virusinfektionen
vorkommen, die ohne
eine manifeste Entzündung der
Bauchspeicheldrüse
hervorzurufen,
einen Diabetes mellitus zur Folge haben. Diese
Hypothese
wird
durch Tierexperimente gestützt. Durch
Infektion
mit einem
bestimmten Virus ist es gelungen, bei der
weißen
Maus eine
weitgehend isolierte Schädigung der
Langerhans'schen
Inseln und
damit einen klassischen Insulinmangeldiabetes zu
erzeugen.
Morphologisch bestehen zwischen den
experimentellen
Ergebnissen
und den Befunden beim jugendlichen Diabetes
mellitus
des
Menschen auffällige Parallelen. Beim
jugendlichen
Insulinmangeldiabetes kommt es zu einem raschen
Schwund
der
Betazellen des Pankreas, dieser kann durch eine
kontinuierliche
Neubildung von Inseln aus den Verästelungen
der
Ausführungsgänge nicht mehr ausgeglichen
werden.
Die
Verhältnisse liegen auch hierin völlig
anders,
als beim
Erwachsenendiabetes, bei dem die Zahl der
Betazellen
nur
geringfügig herabgesetzt ist, während
jedoch
die
Sekretionsdynamik wesentlich beeinträchtigt
ist.
Es besteht
gewissermaßen in diesem Fall eine
Sekretionsstarre
für Insulin.
Welcher
Art ist nun aber das Virus, das einen
juvenilen
Diabetes auszulösen vermag? Es gibt
Virusstämme
mit
unterschiedlicher Affinität zu den einzelnen
Geweben
des
Körpers. Bei der weißen Maus verursacht
eine
Variante des
Enzephalomyokarditis - (EMC) Virus ( E-Variante),
eines
für
Menschen und Tiere pathogenen Virus aus der Gruppe
der
Picornaviren, welche RNS enthalten, eine meist
rasch
zum Tode
führende Krankheit. Sie ist gekennzeichnet
durch
geringe
Herzmuskelentzündung, aber schwere
Entzündungen
des Gehirns und
der Bauchspeicheldrüse, wobei der
Zuckerstoffwechsel
jedoch
nicht gestört wird.
Eine
andere Variante aus der Gruppe dieser Viren,
die
M-
Variante, ruft eine etwas mildere Erkrankung
hervor.
Auch bei
dieser Variante kommt es zur
Herzmuskelentzündung,
sie schädigt
jedoch in der Bauchspeicheldrüse vorwiegend
das
Inselsystem,
wodurch der Zuckerstoffwechsel beeinträchtigt
wird.
Es kommt zu
Gewichtsverlust und Fieber, schließlich zum
Zelluntergang
in
den Langerhans'chen Inseln sowie - je nach Grad
der
Schädigung
- zu mehr oder weniger stark ausgeprägtem und
unterschiedlich
lang anhaltenden Insulinmangel, mit Erhöhung
des
Blutzuckerspiegels und Zuckerausscheidung im Harn.
Die E-
und M- Variante verursachen eine mit
bloßem
Auge
sichtbare Anschwellung der
Bauchspeicheldrüse. Die
Intensität
dieser Anschwellung ist vom Ausmaß der
Virusvermehrung
in dem
Organ abhängig. Unter dem Mikroskop erkennt
man
nach einer
Infektion mit der E-Variante eine diffuse
Bauchspeicheldrüsenentzündung, die
sogenannte
Pankreatitis. Sie
ist durch eine ausgedehnte Zerstörung des
Drüsengewebes
gekennzeichnet. Bei einer Infektion mit dieser
Variante
werden
die Langerhans'schen Inseln nur selten und auch
nur in
ihren
Randpartien betroffen. Darin liegt die
Erklärung,
weshalb diese
Variante keinen direkten Einfluß auf den
Zuckerstoffwechsel
hat.
Anders
liegen die Verhältnisse jedoch nach
einer
Infektion mit
der M-Variante. Unter dem Mikroskop erkennt man
jetzt
eine
deutlich sichtbare Schädigung des
Inselsystems,
während die
Drüsenläppchen, die den exokrinen, d. h.
Verdauungssaft
produzierenden Teil der Bauchspeicheldrüse
ausmachen,
nicht von
der Zerstörung betroffen sind. Im
Anfangsstadium
führt eine
Infektion mit der M-variante zunächst zum
Absterben
einzelner
oder mehrerer Zellen. Danach folgt ein starkes
Ödem
des
Zwischengewebes und schließlich
entzünden
sich die Inseln. Das
Bild, das sich in diesem Stadium unter dem
Mikroskop
zeigt,
entspricht bis in kleinste Einzelheiten dem seit
längerer
Zeit
bekannten mikroskopischen Bild der am menschliche
Pankreas
auftretenden sogenannten Insulitis. Das
mikroskopische
Bild der
Insulitis wurde bisher nur am menschliche Pankreas
gesehen.
Es decken
sich jedoch nicht nur die mikroskopischen
Beobachtungen, sondern auch der Krankheitsverlauf,
der
nach
Infektion mir der M-Variante auftritt, deckt sich
völlig
mit
dem Krankheitsverlauf, wie er bei einer beim
Menschen
beobachteten Insulitis auftritt.
In beiden
Fällen verläuft die Krankheit
relativ
rasch. Im
Experiment, wie in der klinischen Beobachtung, sah
man
nur
während der akuten Krankheitsphase, d. h. bis
spätestens
zum
15. Tag nach der Infektion, die entzündlichen
Infiltrate.
Was
jedoch bestehen bleibt ist der Diabetes
mellitus.
Er kann
sich sogar noch verschlimmern. Dies geschieht
wahrscheinlich
dadurch, daß die erhalten gebliebenen
Betazellen
sich mit der
Zeit infolge Überlastung erschöpfen.
Die
Parallelen zwischen Tierexperiment und
Humanpathologie
geben zu der Vermutung Anlaß, daß auch
der
Diabetes mellitus
vom juvenilen Typ des Menschen durch Viren
ausgelöst
wird. Es
wird daher sicher auch in nächster Zeit die
Frage
aufgeworfen
und untersucht werden, auf welche Weise das Virus
verbreitet
wird.
Wird der
Diabetes mellitus zur ansteckenden
Krankheit?
In diesem
Zusammenhang möchte ich noch einige
englische
Untersuchungen anführen, in denen die
Häufigkeit
der
Diabetesmanifestation in Abhängigkeit von der
Jahreszeit
statistisch untersucht wurde.
Bei
Untersuchungen über den Zeitpunkt der
Diabetemanifestation
insulinabhängiger juveniler Diabetiker ergab
sich,
daß diese im
Herbst signifikant häufiger als zu anderen
Jahreszeiten
auftritt.
Danach
wurden die Seren frisch erkrankter Diabetiker
auf
ihren
Gehalt auf Antikörper getestet. Als
Kontrollgruppe
dienten
Nichtdiabetiker und Diabetiker mit schon seit
längerer
Zeit
bestehender Erkrankung.
Bei
diesen Untersuchungen ergab sich, bei
frischerkrankten
juvenilen Diabetikern eine signifikante
Erhöhung
der Antikörper
gegen Coxsackie Viren eines bestimmten Types ( Typ
IV
(7)
S.27).
Um den
Eingangs erwähnten Zusammenhang zwischen
den
Ursachen
des Diabetes herzustellen, möchte ich nun
noch
kurz
einige
Hypothesen zur Pathogenese des Diabetes mellitus
anführen.
Nach
einer ersten Hypothese ist die Ursache eines
Diabetes
ein
hereditärer ( ererbter ) Gendefekt, der die
Beta-Zellmasse
der
Inseln des Pankreas unfähig zur Regeneration
macht,
wenn sie
durch Viren teilweise zerstört wurde. Dies
würde
bedeuten, daß
Personen ohne diesen Gendefekt zwar ebenfalls von
diesem
Virus
befallen würden, die Beta-Zellmasse ihres
Pankreas
wäre jedoch
in der Lage, so sie nicht völlig
zerstört
würde,
sich zu
regenerieren.
Bei
vorhandener diabetischer Erbanlage kommt es
jedoch
nach
dieser Hypothese zu einer irreversiblen
Schädigung
der
Betazellmasse. Diese Hypothese würde eine
Erklärung
für die
"variable Penetranz" der diabetischen Erbanlage
liefern.
Es
würde somit erklärbar, weshalb die
diabetische
Anlage manchmal
früher manchmal später bzw. bei
Nichtvohandensein
des Virus
überhaupt nicht zum Ausbruch kommen kann.
Diese Hypothese, die man
Regenerationsdefekthypothese
nennen
könnte, wird neuerdings durch Beobachtungen
gestützt,
die
zeigen, daß sich die 600 - 800 000 Inseln
des
Pankreas
in einem
ständigen Erneuerungsprozeß befinden.
Man
kann diesen
Erneuerungsprozeß verfolgen, indem man den
Einbau
von
radioaktivem Thymidin in die RNS verfolgt. Man hat
beobachtet,
daß der Einbau von radioaktivem Thymidin von
der
Art der
Nahrungsaufnahme und vom Körpergewicht
abhängt.
Eine
zweite Hypothese sagt aus, daß als
Ursache
des Diabetes
d.h. als diabetische Anlage eine bestimmte
Zellmembranstruktur
der Beta-Zellen vererbt wird, die es dem Virus
ermöglicht,
sich
an die Zellmembran anzuheften. Eine durch die
diabetische
Erbanlage derart veränderte Erbanlage weist
nach
dieser
Hypothese Rezeptorstellen auf, die die Adsorption
und
Penetration des Virus ermöglichen.
Da bei
nicht vorhandener diabetischer Erbanlage diese
Rezeptorstellen fehlen, besteht in diesem Fall
Immunität
gegen
das Virus, d.h. das Virus erkennt infolge seiner
hohen
Spezifität diese Beta-Zelle nicht als
Wirtszelle.
Nach
einer dritten Hypothese wird durch das Virus
eine
Antikörperbildung induziert. Die
Antikörper
richten sich jedoch
nicht allein gegen das Virus, sondern auch gegen
die,
infolge
der diabetischen Erbanlage veränderten,
Rezeptorstellen
der
Beta-Zellmembran. Eine solche Reaktion wird
allgemein
als Auto-
Immunreaktion bezeichnet. Der Körper bildet
hier
Antikörper
gegen körpereigene Substanzen. Wenn man
bedenkt,
daß z.B. die
Entstehung der Blutgruppenfaktoren Anti B und Anti
A
ebenfalls
als Reaktion auf ein im Serum enthaltenes Virus
zustande
kommt,
also nicht auf direktem Wege vererbt wird, so
erscheint
diese
Hypothese gar nicht so sehr unwahrscheinlich, wie
man
es
zunächst annehmen könnte.
Nach
einer vierten Hypothese wird durch das Virus die
Zellmembran der Beta-Zelle derart geschädigt,
daß
Insulinvorstufen u.a. das sogenannte Proinsulin
ins
Serum
übertreten können. Da dies normalerweise
nicht
zustandekommt,
wirkt sich diese Insulinvorstufe
gewissermaßen
wie
körperfremdes Eiweiß aus. Es kommt zur
Antikörperbildung,
die
sich zunächst auf Insulinvorstufen und
schließlich
in Form
einer Autoimmunreaktion auf körpereigenens
Insulin
richtet, was
durch Verklumpung der Insulinmoleküle zur
Unwirksamkeit
des
körpereigenen Insulins führt. Die
Betazellen
degenerieren
schließlich infolge der übersteigerten
Insulinproduktion,
die
nur dazu dient, eine erhöhte
Antikörperproduktion
auszulösen.
Diese Hypothese gilt neuerdings als
unwahrscheinlich,
sie ist
jedoch insofern interessant, als sie eine
Verbindung
zwischen
Insulinantikörpertheorie ( siehe 2.3) und
Virustheorie
(siehe
2.4 Einleitung) herstellt.
Literatur:
(3) (7)
Primärliteratur:
Craighead
I.E.: Pathogenicity of the M and E
variants
of the
Encephalkomyocarditis (EMC) virus. II Lesions of
the
pancreas,
parotid and lacrimal glands. Amer J. Path. 48
(1966)
S. 375-382
Müntefering.
H. Schmidt; W.A.K.; Köber, W.
Zur
Virusgenese des
Diabetes mellitus bei der weißen Maus.
Dtsch.
med.
Wschr. 96
(1971) S. 693-699
Müntefering,
H. Virusinfektion als Ursache des
Diabetes
mellitus. Umschau 72 (1972) Heft 24 S. 801
Und
hier noch mein
persönlicher Tipp
für Sie, weil Sie meine
Seite besucht haben:
Die wichtigsten
Schüssel
zur körperlichen Gesundheit
sind:
- eine vollwertige, möglichst naturbelassene und
vitaminreiche Nahrung ( mit frischem Obst und Gemüse) zu sich zu
nehmen.
- in Ruhe zu essen.
- vor jeder Mahlzeit ein Glas Wasser zu trinken.
- ausreichend Bewegung an der frischen Luft zu machen.
- für ausreichend Schlaf und Entspannung zu sorgen.
- eine positive
Sicht der Dinge zu erlernen.
Wenn
Sie gesund werden und bleiben möchten, starten ein
Programm zur Kostenübernahme im Krankheitsfall,
und dann konzentrieren sie sich darauf,
täglich etwas für Ihre Gesundheit zu tun.
Ich wünsche Ihnen viel Gesundheit,
Glück
, Wohlstand
und Erfolg.
Ihr Hugo R. Vogel
©2008
webmaster@diabetiker-mailbox.com