Als
Nebenwirkungen des Insulins werden die
sogenannten
transistonischen Refraktionsanomalien,
Insulinödeme,
Lipodystrophien, Insulinallergie,
Insulinresistenz
und
in
gewissem Sinne auch die Hypoglykämie
betrachtet.
Transistonische
Refraktionsanomalien, d.
h.
"vorübergehende
Brechkraftsunnormalheiten" treten eigentlich nur
unmittelbar
nach dem Beginn einer Insulinbehandlung auf. Es
handelt
sich
hier nicht um Nebenwirkungen des Insulins
i.e.S.,
denn
sie
kommen dadurch zustande, daß sich die
Stoffwechsellage
als
Folge des Insulintherapie rasch verbessert.
Vor dem Einsetzen der Insulintherapie kommt es
bei
Diabetikern, infolge des allgemeinen
Wasserverlustes, auch zu
einem Wasserverlust des
Linsenkörpers. Da die
Spannung
des
Ciliarmuskels konstant gehalten wird, nimmt der
Linsenkörper
vermehrt Glucose und Elektrolyte auf, um die
Osmolarität
wieder herzustellen und somit sein
Volumen konstant zu
halten.
Die im Linsenkörper befindliche
konzentriertere
Lösung
aus Glucose und Elektrolyten hat
jedoch nun zur Folge, daß
die
Linse eine höhere Brechkraft
bei konstant gebliebenem
Krümmungsradius besitzt.
Dadurch kommt der Brennpunkt vor der
Netzhaut
zu liegen, was eine Kurzsichtigkeit
zur Folge hat.
Wird nun
durch die Insulintherapie die
Stoffwechsellage
normalisiert, so normalisiert sich auch die
Lösungskonzentration in der Linse, so
daß
es zur Herstellung
der bei ausgeglichenem Stoffwechsel bestehenden
Sehverhältnisse kommt. Liegt
unter normalisierten
Stoffwechselverhältnissen jedoch
was besonders häufig bei
Altersdiabetikern
vorkommt eine Weitsichtigkeit vor,
so kann es durch die
einsetzende Insulintherapie, aber
auch durch die Therapie
mit
oralen Antidiabetica, zur
Weitsichtikkeit kommen. Dies
geschieht einfach dadurch, daß
sich die durch den
Diabetes
vorgetäuschte Kurzsichtigkeit
durch die altersbedingte
Weitsichtigkeit
vor der Therapie aufgehoben haben.
Bei sog.
Insulinödemen handelt es
sich um lokal
begrenzte
Störungen im Wasserhaushalt, deren Ursache
noch
ungeklärt ist.
Sie kommen vor allem bei jungen Mädchen und
Frauen
vor und man nimmt an, es könnte
sich um
Folgeerscheinungen
einer allergischen Reaktion,
hervorgerufen durch
Insulin,
handeln.
Bei ca. 10%
der insulinspritzenden
Diabetiker kommt
es
an den Insjektionstellen zu
Lipodistrophien d.h. zu
einem
örtlich
begrenzten Schwund des Unterhautfettgewebes.
Auch
diese
Veränderungen findet man häufiger bei
Frauen
und Kindern als
bei Männern. Auch die Ätiologie der
Lipodistrophie
ist noch
ungeklärt. Man nahm zunächst rein
mechanische
Einwirkungen, wie sie beim Spritzen
auftreten, als Ursache an. Da
Lipodistrophien jedoch auch an
Körperstellen auftreten, in
die nie
zuvor Insulin injiziert wurde,
dürfte dies nicht
die
Ursache
ihrer Entstehung sein.
Das bei der
Insulintherapie eingespritzte,
artfremde
Hormon
stellt für den Körper ein "unbekanntes
Eiweiß"
dar. Er reagiert
daher mit Antikörperbildung gegen das
Antigen,
artfremdes
Insulin. Dies kann allergische Reaktionen
hervorrufen.
Man
unterscheidet heute zwei Typen von durch Insulin
bedingten
allergischen Reaktionen. Beim ersten Typ tritt
die
Reaktion
innerhalb von 24 - 72 Stunden nach der Injektion
auf.
Sie ist
dadurch gekennzeichent, daß die
Injektionsstellen
schmerzen und sich entzünden.
Beim
zweiten Typ wird der Patient
sozusagen durch
Antikörperbildung gegen das artfremde
Insulin
immun.
Es kommt schließlich zur
Insulinresistenz.
Der
Insulinbedarf eines
Stoffwechselgesunden
schwankt
zwischen 28 - 42 IE täglich.
Auch der Diabetiker hat
keinen
höheren Insulinbedarf.
Müssen deshalb bei einem
Diabetiker
mehr als 60IE täglich gespritzt
werden, so liegt die
Annahme
einer Insulinresistenz nahe. Nach
klinischer
Definition
spricht
man jedoch erst dann von
Insulinresistenz, wenn der
tägliche
Insulinbedarf 200 IE übersteigt. Es sind
schon
Fälle
mit
Insulindosen von 1000 - 5000 IE täglich und
mehr
vorgekommen.
Eine vorläufige Abhilfe konnte hierbei meist durch einen Wechsel des Insulinpräparates erreicht werden, indem man z.B. Insulin vom Rind gegen Insulin vom Schwein austauschte. Das Insulin vom Schwein steht dem Menschen näher als das Insulin vom Rind.
Eine
endgültige Abhilfe gegen durch
Insulinantikörper gegen artfremdes Insulin
hervorgerufene Reaktionen wurde durch die
gentechnische Herstellung von Humaninsulin erreicht.
Etwas besseres als Humaninsulin für die
Insulinsubstitutiontherapie eines Menschen also die
Diabetesbehandlung kann ich mir nicht vorstellen. Die Natur hat 2
Millionen Jahre gebraucht um Humaninsulin zu optimieren und an
den Stoffwechsel des Menschen anzupassen.