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Die Chance, auch mit Diabetes lebenstüchtig zu sein.

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3.5 Der hypoglykämische Schock als akute Komplikation der

Insulinbehandlung

Eine Unterzuckerung und schließlich ein hypoglykämischer Schock
treten dann auf, wenn der Blutzuckerwert unter 40 mg/ dl
absinkt. Beim unbehandelten Diabetiker kommt dies natürlich
nicht vor, denn der hypoglykämische Schock ist nicht durch den
Diabetes an sich bedingt. Auch bei Behandlung mit oralen
Antidiabetica ist er sehr selten. Ein hypoglykämischer Schock
kann auch beim Stoffwechselgesunden durch Insulininjektion
hervorgrufen werden. Beim insulinspritzenden Diabetiker besteht
die Gefahr einer Hypoglykämie dann, wenn im Verhältnis zum
eingespritzte Insulin zu wenig Kohlenhydrate gegessen werden
bzw. eine zu große Menge Glucose durch erhöhte Muskelarbeit
verbraucht wird. Auch der Zeitpunkt, zu dem die Kohlenhydrate
gegessen werden, spielt eine wichtige Rolle. Durch eine zu spät
eingenommene Mahlzeit kann eine Hypoglykämie riskiert werden.

Erste hypoglykämische Reaktionen treten bei einem Abfall des
Blutzuckerspeigels unter den oben genannten Wert auf. Sie
werden durch bestimmte Ausfallserscheinungen des Gehirns
hervorgerufen. Die Gehirnzellen können im Gegensatz zu anderen
Körperzellen keine Glucose speichern. Aus diesem Grund sind sie
sehr stark vom Vorhandensein einer bestimmten
Blutzuckerkonzentration abhängig. Fällt der Blutzuckerspiegel
unter einen bestimmten Wert, so treten die ersten Anzeichen
einer beginnenden Hypoglykämie, wie Konzentrationsschwäche,
Stimmungslabilität und Kopfschmerzen auf. Da auch die
Glucoseversorgung der Nervenzellen des vegetativen
Nervensystems durch den zu geringen Glucosegehalt des Blutes
gestört ist, kann es zu Heißhunger, Muskelschwäche und
Erbrechen kommen.

Bei den bisher geschilderten Symptomen handelt es sich um
Ausfallserscheinungen, die gewissermaßen direkt durch den zu
geringen Glucosegehalt des Blutes hervorgerufen werden. Auch
die schließlich auftretende Bewußtlosigkeit beruht auf einer
mangelnden Glucoseversorgung des Gehirns. Diese Symptome sind
zu trennen von denjenigen, die durch die Gegenregulation des
Körpers auftreten. Es werden vor allem Katecholamine als
Gegenspieler des Insulins ausgeschüttet. Nimmt die
Konzentration von Katecholaminen im Blut zu, so werden dadurch
weitere, charakteristische Symptome der Hypoglykämie wie
Schweißausbrüche, Zittern, Blässe der Haut und Herzklopfen
hervorgerufen.

Nach dem unterschreiten eines Blutglucosewertes von 25 -
35 mg/dl tritt schließlich der hypoglykämische Schock ein.
Dabei kommt es über Enthemmungszustände, Benommenheit und
Verwirrtheitszustände schließlich zu hysterieähnlichen
Schreikrämpfen, sowie zu epileptischen Anfällen ähnlichen
tonisch - klonischen Krämpfen. Auch Seh-, Schluck- und
Sprachstörungen und ein Erlöschen der Kornealreflexe zählen zu
den Symptomen des hypoglykämischen Schocks.

Tritt der hypoglykämische Schock häufiger auf, so hat dies
durch die mangelnde Zuckerversorgung eine Schädigung des
Gehirns zur Folge. Nicht allein aus diesem Grund sollte ein
Diabetiker stets versuchen, Hypoglykämien zu vermeiden. Der
Diabetiker hat die Chance, das zustandekommen eines
hypoglykämischen Schocks durch rechtzeitige Aufnahme rasch
resorbierbarer Kohlenhydrate wie Traubenzucker, zu verhindern.
Dazu ist es erstens notwendig, daß er diese stets greifbar hat
und zweitens, daß er die ersten Symptome einer Hypoglykämie als
solche erkennt. Er muß sich dazu gewissermaßen selbst
beobachten und in sich hineinhorchen. Dies muß geschehen, bevor
eine Bewusstseinsstörung auftritt.

Im Anfangsstadium einer Unterzuckerung treten unwillkürliche
Zuckungen einzelner Gliedmaßen oder der Gesichtsmuskulatur auf,
gelegentlich auch in Form von "Muskelzittern", ähnlich wie bei
einem Schüttelfrost.

Ich möchte hier ein Beispiel aus eigener Erfahrung anfügen, das
eine Möglichkeit aufzeigt, eine drohende Hypoglykämie
frühzeitig zu erkennen und dieser auf die - wie ich es nennen
will - weiche Art, nämlich ohne rasch resorbierbare
Kohlenhydrate vorzubeugen. Wobei ich jedoch anfügen muß, daß
ich noch nicht Gelegenheit hatte, die Anwendbarkeit dieser
Methode bei anderen Diabetikern zu kontrollieren.

Da im allgemeinen kurz vor einer Mahlzeit der Blutzuckerspiegel
am niedrigsten ist, treten zu diesem Zeitpunkt am häufigsten
Unterzuckerungserscheinungen auf, während dies z.B. kurz nach
einer Mahlzeit nicht der Fall ist.

Um einen Hinweis auf eine drohende Unterzuckerung zu erhalten,
halte ich eine Gabel an der Spitze fest und beachte deren
freies Ende. Im Fall einer Unterzuckerung gelinget es mir
nicht, das Ende der Gabel ruhig in gleichbleibender Höhe über
dem Tisch zu halten. Das Ende der Gabel schwankt dann deutlich
auf und ab.

Einen Hinweis auf eine drohende Unterzuckerung erhalte ich
ferner aus der Beobachtung der Flüssigkeitsoberfläche in einem
Glas, das ich in der Hand halte. Durch die Zitterbewegung der
Hand bilden sich im Falle einer Unterzuckerung deutlich
sichtbare Wellen. Diese Zitterbewegungen kann ich jedoch an der
Hand nicht beobachten. Sie tritt nur bei Belastung der
Muskulatur z. B. durch ein Glas oder eine Flasche auf.

Fällt dieser Test positv aus, so ist es ratsam, bei der sich
anschließenden Mahlzeit eine geringe Menge langsam
resorbierbare Kohlenhydrate mehr zu sich zu nehmen, um einem
hypoglykämischen Schock vor der nächsten Mahlzeit vorzubeugen,
welcher dann wahrscheinlich durch rasch resorbierbare
Kohlenhydrate abgefangen werden müßte.

Ein sehr verläßliches Zeichen für eine drohende Hypoglykämie
ist die starke, meist sehr rasch auftretende Blässe, die fast
immer in Verbindung mit starkem Schwitzen auftritt. Dabei tritt
"kalter Schwieß" auf die Stirn.

Schreitet die Unterzuckerung weiter fort, so treten
Bewußtseinsstörungen auf. der Betroffene wirkt wie ein
Schlafwandler, wie "betrunken". Es soll schon vorgekommen sein,
daß Diabetiker in diesem Stadium der Unterzuckerung mit
Betrunkenen verwechselt wurden. Hier liegt meines Erachtens ein
Punkt, über den auch in den Massenmedien Aufklärung betrieben
werden sollte. Sicher kann ein Diabetikerausweis der auf den
Gesundheitszustand des Betroffenen hinweist, hier gute Dienste
leisten. Er kann dies jedoch nur, wenn er gefunden, d.h. beim
"Betrunkenen" gesucht wird, bevor man ihn in die
"Ausnüchterungszelle" steckt.

In der Literatur wird auch über Sehstörungen in Form von
"Sternchen", leuchtenden Kreisen und Farbstörungen berichtet.
Eine Sehstörung kann sich jedoch meiner Erfahrung gemäß auch
darin äußern, daß es nicht mehr möglich ist, die beiden Bilder,
die die Augen einzeln sehen, zur Deckung zu bringen, so daß man
doppelt sieht wie ein Betrunkener.

Das Problem ist, daß es im Zustand der Unterzuckerung ab einem
bestimmten Zeitpunkt sehr schwierig wird konsequent vom Zustand
auf die Ursache zu schließen und entsprechende Maßnahmen zu
unternehmen um diesen Zustand so rasch wie möglich durch die
Aufnahme von rasch resorbierbaren Kohlenhydraten zu beenden,
weil auch die anderen Leistung des Gehirns in diesem Moment
beeinträchtigt sind.

Es können auch nächtliche Hypoglykämien auftreten, die
gewissermaßen verschlafen werden. Ein Erwachen mit
Kopfschmerzen oder in schweißgebadetem Zustand deutet auf eine
nächtliche Hypoglykämie hin. Ein Erkennen einer nächtlichen
Hypoglykämie aus derartigen Tatsachen ist vor allem deshalb von
Bedeutung, weil durch eine Messung des Nüchternblutzuckers kein
Hinweis auf eine verschlafene Hypoglykämie gewonnen werden

kann, da infolge der Gegenregulation der Nüchternblutzucker
meist sogar noch erhöht ist.




Ein besonderes Problem stellt die Erkennung hypoglykämischer
Situationen beim diabetischen Kind dar. Hierbei spielt die
Beobachtung von auffälligen Wesensveränderungen eine nicht
unbedeutende Rolle, da die Kinder häufig keine direkten Angaben
über ihren Zustand machen oder auch machen können. Die Kinder
werden unter Umständen "ungezogen", widerborstig und aufsässig.
manche zeigen auch bei ihnen nicht gewohnte Trotzreaktionen,
die natürlich besonders demjenigen Personenkreis auffallen, der
sie näher kennt. Solche Erscheinungen sollten bei den Eltern
vor allem dann den Verdacht auf eine bestehende Unterzuckerung
hervorrufen, wenn sie anscheinend unmotiviert und nach vorher
völlig normalem Verhalten auftreten. Sowohl eine auffällige
Weinerlichkeit als auch ein auffällig albernes und läppisches
Verhalten kann als einziges Anzeichen einen drohenden
hypoglykämischen Schock anzeigen. Auch eine nächtliche
Hypoglykämie läßt sich meist nur aus dem Verhalten der Kinder
beim Aufstehen erkennen.

Die Kinder erwachen dabei mit starken Kopfschmerzen, sind nur
sehr schwer aufzuwecken und wirken benommen. Manchmal ist auch
das Bettzeug naßgeschwitzt und zerwühlt. Auch nächtliches
Einnässen bei sonst schon trockenen Kindern weist auf eine
nächtliche Hypoglykämie hin.
Ich halte es für übertrieben, die Kinder nachts mehrmals zu
wecken um festzustellen: sofort wach d.h. keine Unterzuckerung
bzw. nur schwer aufzuwecken und nach dem Erwachen völlig
desorientiert d.h. Unterzuckerung. Dieses Wecken sollte auf
Fälle beschränkt bleiben, in denen eine Hypoglykämie
offensichtlich wird z.B. durch Schreie bzw. Wühlen im Schlaf.

Wird bei einem diabetischen Kind der Zustand der Hypoglykämie
erkannt, so kann dieser sehr rasch durch Zufuhr schnell
resorbierbarer Kohlenhydrate z.B. Traubenzuckerwasser behoben
werden. Es ist von Vorteil, wenn diese an einem festgelegten
Ort aufbewahrt werden, sodaß man im Fall eines Falles nicht
erst suchen muß.

Ist jedoch bereits der Zustand tiefer Bewußtlosigkeit
eingetreten, so darf dem Betroffenen kein Zuckerwasser
eingeflößt werden, da Erstickungsgefahr droht. Tritt eine
solche Hypoglykämie nachts auf, so kann man natürlich sofort
den Arzt holen, dieser wird den gefährlichen Zustand durch
intravenöse Injektion von Traubenzuckerlösung beenden. Die
Eltern zuckerkranker Kinder können sich aber auch dann noch
selbst helfen, indem sie ein Ampulle mit Glucagon, einem
Gegenspieler des Insulins, beim Spritzbesteck aufbewahren, denn
die Injektion von Glucagon kann intramuskulär erfolgen, während
die intravenöse Injektion von Traubenzuckerlösung die
Beherrschung einer schwierigeren Injektionstechnik voraussetzt.
Wichtig ist hierbei nur, daß der Betroffene sofort nach
Erlangen des Bewußtseins sofort Kohlenhydrate zu sich nimmt,
bevor die Gegenregulation nachläßt und es erneut zu einem evtl.
noch stärkeren Blutzuckerabfall kommt.

Ich würde der zweiten Methode den Vorzug geben, da dabei der
gefährliche Zustand um wichtige Minuten verkürzt werden kann.
Dies setzt jedoch voraus, daß möglichst alle Familinemitglieder
über deren Aufbewahrungsort des Spritzenbesteckes informiert
sind und zweitens daß sie sich auch getrauen mit demselben
entschlossen vorzugehen, anstatt tatenlos dazustehen und die
Ankunft des Arztes zu erwarten.

Eine weitere Chance, die der Diabetiker nutzen sollte liegt
darin, daß er stets Ampullen mit 40 % iger Traubenzuckerlösung
zu hause bereithält, da es vorkommen kann, daß der von
unterwegs herbeigerufene Arzt die benötigten Ampullen nicht bei
sich hat. Auch hierbei ist es wichtig, daß möglichst alle
Familienmitglieder den Aufbewahrungsort der Ampullen kennen.

  Das Neueste, zur Überwachung von Hypoglykämien ist das Gerät HypoMon der Firma Aimedics. Es ist allerdings noch in der Entwicklung.

Näheres unter http://www.aimedics.com/html/hypomon.htm

Literatur: (3) (6) (7) (8)


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