Bücherei
Regal 1
Eine
Unterzuckerung und schließlich ein
hypoglykämischer
Schock
treten dann auf, wenn der Blutzuckerwert unter 40
mg/
dl
absinkt. Beim unbehandelten Diabetiker kommt dies
natürlich
nicht vor, denn der hypoglykämische Schock
ist
nicht
durch den
Diabetes an sich bedingt. Auch bei Behandlung mit
oralen
Antidiabetica ist er sehr selten. Ein
hypoglykämischer
Schock
kann auch beim Stoffwechselgesunden durch
Insulininjektion
hervorgrufen werden. Beim insulinspritzenden
Diabetiker
besteht
die Gefahr einer Hypoglykämie dann, wenn im
Verhältnis
zum
eingespritzte Insulin zu wenig Kohlenhydrate
gegessen
werden
bzw. eine zu große Menge Glucose durch
erhöhte
Muskelarbeit
verbraucht wird. Auch der Zeitpunkt, zu dem die
Kohlenhydrate
gegessen werden, spielt eine wichtige Rolle. Durch
eine
zu spät
eingenommene Mahlzeit kann eine Hypoglykämie
riskiert
werden.
Erste
hypoglykämische Reaktionen treten bei
einem
Abfall des
Blutzuckerspeigels unter den oben genannten Wert
auf.
Sie
werden durch bestimmte Ausfallserscheinungen des
Gehirns
hervorgerufen. Die Gehirnzellen können im
Gegensatz
zu anderen
Körperzellen keine Glucose speichern. Aus
diesem
Grund sind sie
sehr stark vom Vorhandensein einer bestimmten
Blutzuckerkonzentration abhängig. Fällt
der
Blutzuckerspiegel
unter einen bestimmten Wert, so treten die ersten
Anzeichen
einer beginnenden Hypoglykämie, wie
Konzentrationsschwäche,
Stimmungslabilität und Kopfschmerzen auf. Da
auch
die
Glucoseversorgung der Nervenzellen des vegetativen
Nervensystems durch den zu geringen Glucosegehalt
des
Blutes
gestört ist, kann es zu Heißhunger,
Muskelschwäche
und
Erbrechen kommen.
Bei den
bisher geschilderten Symptomen handelt es
sich
um
Ausfallserscheinungen, die gewissermaßen
direkt
durch den zu
geringen Glucosegehalt des Blutes hervorgerufen
werden.
Auch
die schließlich auftretende
Bewußtlosigkeit
beruht auf einer
mangelnden Glucoseversorgung des Gehirns. Diese
Symptome
sind
zu trennen von denjenigen, die durch die
Gegenregulation
des
Körpers auftreten. Es werden vor allem
Katecholamine
als
Gegenspieler des Insulins ausgeschüttet.
Nimmt die
Konzentration von Katecholaminen im Blut zu, so
werden
dadurch
weitere, charakteristische Symptome der
Hypoglykämie
wie
Schweißausbrüche, Zittern, Blässe
der
Haut und Herzklopfen
hervorgerufen.
Nach dem
unterschreiten eines Blutglucosewertes von
25
-
35 mg/dl tritt schließlich der
hypoglykämische
Schock ein.
Dabei kommt es über Enthemmungszustände,
Benommenheit
und
Verwirrtheitszustände schließlich zu
hysterieähnlichen
Schreikrämpfen, sowie zu epileptischen
Anfällen
ähnlichen
tonisch - klonischen Krämpfen. Auch Seh-,
Schluck-
und
Sprachstörungen und ein Erlöschen der
Kornealreflexe
zählen zu
den Symptomen des hypoglykämischen Schocks.
Tritt der
hypoglykämische Schock häufiger
auf,
so hat dies
durch die mangelnde Zuckerversorgung eine
Schädigung
des
Gehirns zur Folge. Nicht allein aus diesem Grund
sollte
ein
Diabetiker stets versuchen, Hypoglykämien zu
vermeiden.
Der
Diabetiker hat die Chance, das zustandekommen eines
hypoglykämischen Schocks durch rechtzeitige
Aufnahme
rasch
resorbierbarer Kohlenhydrate wie Traubenzucker, zu
verhindern.
Dazu ist es erstens notwendig, daß er diese
stets
greifbar hat
und zweitens, daß er die ersten Symptome
einer
Hypoglykämie als
solche erkennt. Er muß sich dazu
gewissermaßen
selbst
beobachten und in sich hineinhorchen. Dies
muß
geschehen, bevor
eine Bewusstseinsstörung auftritt.
Im
Anfangsstadium einer Unterzuckerung treten
unwillkürliche
Zuckungen einzelner Gliedmaßen oder der
Gesichtsmuskulatur
auf,
gelegentlich auch in Form von "Muskelzittern",
ähnlich
wie bei
einem Schüttelfrost.
Ich
möchte hier ein Beispiel aus eigener
Erfahrung
anfügen, das
eine Möglichkeit aufzeigt, eine drohende
Hypoglykämie
frühzeitig zu erkennen und dieser auf die -
wie
ich es nennen
will - weiche Art, nämlich ohne rasch
resorbierbare
Kohlenhydrate vorzubeugen. Wobei ich jedoch
anfügen
muß, daß
ich noch nicht Gelegenheit hatte, die
Anwendbarkeit
dieser
Methode bei anderen Diabetikern zu kontrollieren.
Da im
allgemeinen kurz vor einer Mahlzeit der
Blutzuckerspiegel
am niedrigsten ist, treten zu diesem Zeitpunkt am
häufigsten
Unterzuckerungserscheinungen auf, während
dies
z.B.
kurz nach
einer Mahlzeit nicht der Fall ist.
Um einen
Hinweis auf eine drohende Unterzuckerung zu
erhalten,
halte ich eine Gabel an der Spitze fest und
beachte
deren
freies Ende. Im Fall einer Unterzuckerung gelinget
es
mir
nicht, das Ende der Gabel ruhig in
gleichbleibender
Höhe
über
dem Tisch zu halten. Das Ende der Gabel schwankt
dann
deutlich
auf und ab.
Einen Hinweis
auf eine drohende Unterzuckerung
erhalte
ich
ferner aus der Beobachtung der
Flüssigkeitsoberfläche
in einem
Glas, das ich in der Hand halte. Durch die
Zitterbewegung
der
Hand bilden sich im Falle einer Unterzuckerung
deutlich
sichtbare Wellen. Diese Zitterbewegungen kann ich
jedoch
an der
Hand nicht beobachten. Sie tritt nur bei Belastung
der
Muskulatur z. B. durch ein Glas oder eine Flasche
auf.
Fällt
dieser Test positv aus, so ist es ratsam,
bei
der sich
anschließenden Mahlzeit eine geringe Menge
langsam
resorbierbare Kohlenhydrate mehr zu sich zu
nehmen, um
einem
hypoglykämischen Schock vor der nächsten
Mahlzeit
vorzubeugen,
welcher dann wahrscheinlich durch rasch
resorbierbare
Kohlenhydrate abgefangen werden müßte.
Ein sehr
verläßliches Zeichen für
eine
drohende Hypoglykämie
ist die starke, meist sehr rasch auftretende
Blässe,
die fast
immer in Verbindung mit starkem Schwitzen
auftritt.
Dabei
tritt
"kalter Schwieß" auf die Stirn.
Schreitet die
Unterzuckerung weiter fort, so treten
Bewußtseinsstörungen auf. der
Betroffene
wirkt
wie ein
Schlafwandler, wie "betrunken". Es soll schon
vorgekommen
sein,
daß Diabetiker in diesem Stadium der
Unterzuckerung
mit
Betrunkenen verwechselt wurden. Hier liegt meines
Erachtens
ein
Punkt, über den auch in den Massenmedien
Aufklärung
betrieben
werden sollte. Sicher kann ein Diabetikerausweis
der
auf den
Gesundheitszustand des Betroffenen hinweist, hier
gute
Dienste
leisten. Er kann dies jedoch nur, wenn er
gefunden,
d.h.
beim
"Betrunkenen" gesucht wird, bevor man ihn in die
"Ausnüchterungszelle" steckt.
In der
Literatur wird auch über
Sehstörungen
in Form von
"Sternchen", leuchtenden Kreisen und
Farbstörungen
berichtet.
Eine Sehstörung kann sich jedoch meiner
Erfahrung
gemäß auch
darin äußern, daß es nicht mehr
möglich
ist, die beiden Bilder,
die die Augen einzeln sehen, zur Deckung zu
bringen,
so daß man
doppelt sieht wie ein Betrunkener.
Das Problem
ist, daß es im Zustand der
Unterzuckerung
ab einem
bestimmten Zeitpunkt sehr schwierig wird
konsequent vom
Zustand
auf die Ursache zu schließen und
entsprechende
Maßnahmen zu
unternehmen um diesen Zustand so rasch wie
möglich
durch die
Aufnahme von rasch resorbierbaren Kohlenhydraten
zu
beenden,
weil auch die anderen Leistung des Gehirns in
diesem
Moment
beeinträchtigt sind.
Es
können auch nächtliche
Hypoglykämien
auftreten, die
gewissermaßen verschlafen werden. Ein
Erwachen
mit
Kopfschmerzen oder in schweißgebadetem
Zustand
deutet auf eine
nächtliche Hypoglykämie hin. Ein
Erkennen
einer
nächtlichen
Hypoglykämie aus derartigen Tatsachen ist vor
allem
deshalb von
Bedeutung, weil durch eine Messung des
Nüchternblutzuckers
kein
Hinweis auf eine verschlafene Hypoglykämie
gewonnen
werden
kann, da
infolge der Gegenregulation der
Nüchternblutzucker
meist sogar noch erhöht ist.
Ein
besonderes Problem stellt die Erkennung
hypoglykämischer
Situationen beim diabetischen Kind dar. Hierbei
spielt
die
Beobachtung von auffälligen
Wesensveränderungen
eine nicht
unbedeutende Rolle, da die Kinder häufig
keine
direkten
Angaben
über ihren Zustand machen oder auch machen
können.
Die Kinder
werden unter Umständen "ungezogen",
widerborstig
und aufsässig.
manche zeigen auch bei ihnen nicht gewohnte
Trotzreaktionen,
die natürlich besonders demjenigen
Personenkreis
auffallen, der
sie näher kennt. Solche Erscheinungen sollten
bei
den Eltern
vor allem dann den Verdacht auf eine bestehende
Unterzuckerung
hervorrufen, wenn sie anscheinend unmotiviert und
nach
vorher
völlig normalem Verhalten auftreten. Sowohl
eine
auffällige
Weinerlichkeit als auch ein auffällig
albernes und
läppisches
Verhalten kann als einziges Anzeichen einen
drohenden
hypoglykämischen Schock anzeigen. Auch eine
nächtliche
Hypoglykämie läßt sich meist nur
aus
dem Verhalten der Kinder
beim Aufstehen erkennen.
Die Kinder
erwachen dabei mit starken Kopfschmerzen,
sind
nur
sehr schwer aufzuwecken und wirken benommen.
Manchmal
ist auch
das Bettzeug naßgeschwitzt und
zerwühlt.
Auch
nächtliches
Einnässen bei sonst schon trockenen Kindern
weist
auf eine
nächtliche Hypoglykämie hin.
Ich halte es für übertrieben, die Kinder
nachts
mehrmals zu
wecken um festzustellen: sofort wach d.h. keine
Unterzuckerung
bzw. nur schwer aufzuwecken und nach dem Erwachen
völlig
desorientiert d.h. Unterzuckerung. Dieses Wecken
sollte
auf
Fälle beschränkt bleiben, in denen eine
Hypoglykämie
offensichtlich wird z.B. durch Schreie bzw.
Wühlen
im Schlaf.
Wird bei
einem diabetischen Kind der Zustand der
Hypoglykämie
erkannt, so kann dieser sehr rasch durch Zufuhr
schnell
resorbierbarer Kohlenhydrate z.B.
Traubenzuckerwasser
behoben
werden. Es ist von Vorteil, wenn diese an einem
festgelegten
Ort aufbewahrt werden, sodaß man im Fall
eines
Falles nicht
erst suchen muß.
Ist jedoch
bereits der Zustand tiefer
Bewußtlosigkeit
eingetreten, so darf dem Betroffenen kein
Zuckerwasser
eingeflößt werden, da Erstickungsgefahr
droht.
Tritt eine
solche Hypoglykämie nachts auf, so kann man
natürlich
sofort
den Arzt holen, dieser wird den gefährlichen
Zustand
durch
intravenöse Injektion von
Traubenzuckerlösung
beenden. Die
Eltern zuckerkranker Kinder können sich aber
auch
dann noch
selbst helfen, indem sie ein Ampulle mit Glucagon,
einem
Gegenspieler des Insulins, beim Spritzbesteck
aufbewahren,
denn
die Injektion von Glucagon kann intramuskulär
erfolgen,
während
die intravenöse Injektion von
Traubenzuckerlösung
die
Beherrschung einer schwierigeren Injektionstechnik
voraussetzt.
Wichtig ist hierbei nur, daß der Betroffene
sofort
nach
Erlangen des Bewußtseins sofort
Kohlenhydrate zu
sich nimmt,
bevor die Gegenregulation nachläßt und
es
erneut zu einem evtl.
noch stärkeren Blutzuckerabfall kommt.
Ich
würde der zweiten Methode den Vorzug geben,
da
dabei der
gefährliche Zustand um wichtige Minuten
verkürzt
werden kann.
Dies setzt jedoch voraus, daß möglichst
alle
Familinemitglieder
über deren Aufbewahrungsort des
Spritzenbesteckes
informiert
sind und zweitens daß sie sich auch getrauen
mit
demselben
entschlossen vorzugehen, anstatt tatenlos
dazustehen
und die
Ankunft des Arztes zu erwarten.
Eine weitere
Chance, die der Diabetiker nutzen
sollte
liegt
darin, daß er stets Ampullen mit 40 % iger
Traubenzuckerlösung
zu hause bereithält, da es vorkommen kann,
daß
der von
unterwegs herbeigerufene Arzt die benötigten
Ampullen
nicht bei
sich hat. Auch hierbei ist es wichtig, daß
möglichst
alle
Familienmitglieder den Aufbewahrungsort der
Ampullen
kennen.
Das Neueste, zur
Überwachung von Hypoglykämien ist das Gerät
HypoMon der Firma Aimedics. Es ist allerdings noch in der Entwicklung.
Näheres unter http://www.aimedics.com/html/hypomon.htm
Literatur:
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