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4.4 Diabetesdiät im Urlaub

Die Möglichkeit von Blutzuckermessgeräten im Westentaschenformat brachte die große Freiheit auch im Urlaub. Vorher war das anders.
Hier mein Erfahrungsbericht.

Im Urlaub ist die konsequente Einhaltung der konventionellen
Diabestherapie besonders problematisch.

Die Probleme beginnen bereits damit, daß man im Urlaub einmal
länger als gewöhnlich ausschlafen möchte. Dadurch verschiebt
sich jedoch die morgendliche Insulininjektion und somit auch
der gesamte weitere Tagesverlauf, d.h. eine Stunde später
aufgestanden bedeutet eine Stunde später 1. Frühstück, eine
Stunde später 2. Frühstück usw. Eine Stunde später aufstehen
bedeutet aber auch, daß der Depotanteil der Abendspritze nicht
mehr ausreichend wirkt und der Blutzucker vor dem 1. Frühstück
dadurch höher ansteigt als bei genauer Einhaltung des
Zeitpunktes. Womit der Tag bereits mit einer kleinen
Katastrophe beginnt.

Wenn man im Sommer in südliche Länder fährt oder fliegt, sollte
man nicht vergessen, daß die Umstellung der Uhr auf die dortige
Ortszeit für den Diabetiker mit konventioneller
Diabetestherapie nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Für
den Diabetiker fällt eine Stunde nicht einfach mit dem
verstellen der Uhr aus. Das gleiche gilt für die Umstellung von
der Winter auf die Sommerzeit.

Diese Probleme werden noch größer bei weiträumigen Reisen, z.B.
Transatlantikflügen, die ja schon für den Gesunden eine gewisse
Umstellung mit sich bringen.

Für kürzere Reisen, z.B. für einen "weekend trip" empfiehlt es
sich, die eigene "Bordzeit" beizubehalten.

Eine Kur in einem Kurort hat den Vorteil, daß in einer
Diätpension ein Diabetiker eine, seiner Stoffwechsellage
adaequate Nahrung erhält. Ob bzw. in welchem Maße Mineralwässer
auf die diabetische Stoffwechsellage einen Einfluß haben ist
strittig.

Licht, Luft, Sonne und Höhenklima stabilisieren im allgemeinen
die diabetische Stoffwechsellage. Es ist bekannt, daß intensive
Sonnenbestrahlung sich bei Gesunden blutzuckersenkend auswirkt.

Zu beachten ist, daß die Einwirkung von UV-Strahlung auf die
Stelle an der Insulin gespritzt wurde zu einer vermehrten
Hautdurchblutung, und somit schnelleren Verteilung des Insulins
im Körper führen kann. Dadurch kann der Blutzucker unerwartet
rasch bei einem Sonnenbad sinken.

Kalte Seebäder können den Blutzucker beim Gesunden um 10 bis
40% steigern. Überträgt man diese Erfahrungen auf die
diabetische Stoffwechsellage, so ergibt sich daraus eine
besondere Variable, von der die Diät des Diabetikers im Urlaub
abhängt, nämlich von der Außentemperatur bzw. dem Klima. Ob man
dies so einfach übertragen darf müßte eine Untersuchung klären.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß sich während eines
Italienurlaubes mein Insulinbedarf bei gleichbleibender
Kohlenhydratzufuhr deutlich senkte und erst nach meiner
Rückkehr wieder die normale Höhe erreichte. In solch einem Fall
gilt es, rasch zu reagieren, da hypoglykämische Reaktionen
sonst unvermeidbar sind. Dabei hat jedoch sicher noch eine
weitere Variable, nämlich die veränderte körperliche Betätigung
eine Rolle gespielt. Die Erfahrung, daß körperliche Bewegung
den Blutzucker senkt wird im allgemeinen für wichtiger
gehalten, als die Erfahrung, daß eine Erhöhung der
Außentemperatur den Blutzucker senkt.

Ein Schwerstarbeiter, der seinen Urlaub bzw. das Wochenende zum
Ausruhen benutzt, wird zu dieser Zeit sicher einen geringeren
Kohlenhydratbedarf bzw. einen erhöhten Insulinbedarf haben,
während ein geistig arbeitender Mensch, der sein Wochenende
bzw. seinen Urlaub zum Bergsteigen, Schwimmen oder Wandern d.h.
um Ausgleichssport zu betreiben benutzt, während dieser Zeit
einen erhöhten Kohlenhydrate- bzw. erniedrigten Insulinbedarf
hat.

Normalerweise macht eine über das gewohnte Maß hinausgehende
sportliche Betätigung eine Verringerung der Insulindosis um 2 -
4- IE und eine Erhöhung der Kohlenhydrat - Zufuhr um 2-3 BE
erforderlich. (3)

Die konventionelle Diabetestherapie erfordert in hohem Maße
eine ständige Vorausplanung vom Diabetiker. Für den Diabetiker,
der z.B. ein Long-Insulin spritzt, bedeutet das, daß er am
Morgen vor der Insulininjektion wissen muß, ob er nachmittags
z.B. Schwimmen geht oder nicht. Spitzt er dann 4 IE Insulin
weniger, so muß er konsequent genug sein, nachmittags nun auch
Schwimmen zu gehen bzw. wenn es zufällig regnen sollte, sich
anderweitig sportlich zu betätigen. Dies durchzuhalten
erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Für spontane
Entchlüsse bleibt bei der konventionellen Diabetestherapie kein
Platz.
Der starre Zeitplan der konventionelle Diabetestherapie
belastet dabei nicht nur den Diabetiker selbst, sondern auch
seine Angehörigen und Freunde, wodurch der Diabetiker in eine
Außenseiterposition gedrängt wird.

Die Vollpension sollte der Diabetiker im Urlaub möglichst
vermeiden, da dadurch die diätetischen Risiken erheblich erhöht
werden. Die Halbpension bietet den Vorteil, daß man eine
Mahlzeit " durchsichtig" gestalten kann, m.a.W. daß man weiß,
was auf dem Teller ist und wie viel man davon essen kann.
Bewährt haben sich besonders auch Buffets, an denen der
Diabetiker sich selbst das heraussuchen kann was er essen
möchte.

Literatur: (3) (9)

Gesundheitsbrockhaus




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