Bücherei
Regal 1
Im Urlaub ist die konsequente Einhaltung
der
konventionellen
Diabestherapie besonders problematisch.
Die Probleme beginnen bereits damit,
daß man
im
Urlaub einmal
länger als gewöhnlich ausschlafen
möchte.
Dadurch verschiebt
sich jedoch die morgendliche Insulininjektion und
somit
auch
der gesamte weitere Tagesverlauf, d.h. eine Stunde
später
aufgestanden bedeutet eine Stunde später 1.
Frühstück,
eine
Stunde später 2. Frühstück usw.
Eine
Stunde
später aufstehen
bedeutet aber auch, daß der Depotanteil der
Abendspritze
nicht
mehr ausreichend wirkt und der Blutzucker vor dem
1.
Frühstück
dadurch höher ansteigt als bei genauer
Einhaltung
des
Zeitpunktes. Womit der Tag bereits mit einer
kleinen
Katastrophe beginnt.
Wenn man im Sommer in südliche
Länder
fährt
oder fliegt, sollte
man nicht vergessen, daß die Umstellung der
Uhr
auf die dortige
Ortszeit für den Diabetiker mit
konventioneller
Diabetestherapie nicht so einfach zu
bewerkstelligen
ist. Für
den Diabetiker fällt eine Stunde nicht
einfach mit
dem
verstellen der Uhr aus. Das gleiche gilt für
die
Umstellung von
der Winter auf die Sommerzeit.
Diese Probleme werden noch
größer bei
weiträumigen
Reisen, z.B.
Transatlantikflügen, die ja schon für
den
Gesunden
eine gewisse
Umstellung mit sich bringen.
Für kürzere Reisen, z.B.
für einen
"weekend
trip" empfiehlt es
sich, die eigene "Bordzeit" beizubehalten.
Eine Kur in einem Kurort hat den Vorteil,
daß
in
einer
Diätpension ein Diabetiker eine, seiner
Stoffwechsellage
adaequate Nahrung erhält. Ob bzw. in welchem
Maße
Mineralwässer
auf die diabetische Stoffwechsellage einen
Einfluß
haben ist
strittig.
Licht, Luft, Sonne und Höhenklima
stabilisieren
im
allgemeinen
die diabetische Stoffwechsellage. Es ist bekannt,
daß
intensive
Sonnenbestrahlung sich bei Gesunden
blutzuckersenkend
auswirkt.
Zu beachten ist, daß die Einwirkung
von
UV-Strahlung
auf die
Stelle an der Insulin gespritzt wurde zu einer
vermehrten
Hautdurchblutung, und somit schnelleren Verteilung
des
Insulins
im Körper führen kann. Dadurch kann der
Blutzucker
unerwartet
rasch bei einem Sonnenbad sinken.
Kalte Seebäder können den
Blutzucker beim
Gesunden
um 10 bis
40% steigern. Überträgt man diese
Erfahrungen
auf die
diabetische Stoffwechsellage, so ergibt sich
daraus eine
besondere Variable, von der die Diät des
Diabetikers
im Urlaub
abhängt, nämlich von der
Außentemperatur
bzw. dem Klima. Ob man
dies so einfach übertragen darf
müßte
eine Untersuchung klären.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß
sich
während eines
Italienurlaubes mein Insulinbedarf bei
gleichbleibender
Kohlenhydratzufuhr deutlich senkte und erst nach
meiner
Rückkehr wieder die normale Höhe
erreichte.
In solch einem Fall
gilt es, rasch zu reagieren, da
hypoglykämische
Reaktionen
sonst unvermeidbar sind. Dabei hat jedoch sicher
noch
eine
weitere Variable, nämlich die veränderte
körperliche
Betätigung
eine Rolle gespielt. Die Erfahrung, daß
körperliche
Bewegung
den Blutzucker senkt wird im allgemeinen für
wichtiger
gehalten, als die Erfahrung, daß eine
Erhöhung
der
Außentemperatur den Blutzucker senkt.
Ein Schwerstarbeiter, der seinen Urlaub
bzw. das
Wochenende
zum
Ausruhen benutzt, wird zu dieser Zeit sicher einen
geringeren
Kohlenhydratbedarf bzw. einen erhöhten
Insulinbedarf
haben,
während ein geistig arbeitender Mensch, der
sein
Wochenende
bzw. seinen Urlaub zum Bergsteigen, Schwimmen oder
Wandern
d.h.
um Ausgleichssport zu betreiben benutzt,
während
dieser Zeit
einen erhöhten Kohlenhydrate- bzw.
erniedrigten
Insulinbedarf
hat.
Normalerweise macht eine über das
gewohnte
Maß
hinausgehende
sportliche Betätigung eine Verringerung der
Insulindosis
um 2 -
4- IE und eine Erhöhung der Kohlenhydrat -
Zufuhr
um 2-3 BE
erforderlich. (3)
Die konventionelle Diabetestherapie
erfordert in
hohem
Maße
eine ständige Vorausplanung vom Diabetiker.
Für
den Diabetiker,
der z.B. ein Long-Insulin spritzt, bedeutet das,
daß
er am
Morgen vor der Insulininjektion wissen muß,
ob
er nachmittags
z.B. Schwimmen geht oder nicht. Spitzt er dann 4
IE
Insulin
weniger, so muß er konsequent genug sein,
nachmittags
nun auch
Schwimmen zu gehen bzw. wenn es zufällig
regnen
sollte, sich
anderweitig sportlich zu betätigen. Dies
durchzuhalten
erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin.
Für
spontane
Entchlüsse bleibt bei der konventionellen
Diabetestherapie
kein
Platz.
Der starre Zeitplan der konventionelle
Diabetestherapie
belastet dabei nicht nur den Diabetiker selbst,
sondern
auch
seine Angehörigen und Freunde, wodurch der
Diabetiker
in eine
Außenseiterposition gedrängt wird.
Die Vollpension sollte der Diabetiker im
Urlaub
möglichst
vermeiden, da dadurch die diätetischen
Risiken
erheblich
erhöht
werden. Die Halbpension bietet den Vorteil,
daß
man eine
Mahlzeit " durchsichtig" gestalten kann, m.a.W.
daß
man weiß,
was auf dem Teller ist und wie viel man davon
essen
kann.
Bewährt haben sich besonders auch Buffets, an
denen
der
Diabetiker sich selbst das heraussuchen kann was
er
essen
möchte.
Literatur: (3) (9)
Gesundheitsbrockhaus
