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Die Chance, auch mit Diabetes lebenstüchtig zu sein.

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5.1 Die älteste Bestimmungsmethode für Glucose

Um eine Substanz identifizieren zu können, untersucht man, ob
sie die für diese Substanz charakteristischen Eigenschaften
chemischer und physikalischer Art aufweist. Für die Bestimmung
wird zunächst aus der Vielzahl der Eigenschaften eine möglichst
auf diese Substanz beschränkte Eigenschaft herausgesucht. Je
spezifischer diese Eigenschaft für irgendeine Substanz ist,
desto sicherer ist die Methode. Weisen auch andere Stoffe diese
Eigenschaft auf, so kann lediglich der "Kreis der Verdächtigen"
eingeengt werden.

Die älteste Bestimmungsmethode beruht auf der Eigenschaft der
Glucose, süß zu schmecken. Der Unsicherheitsfaktor fällt hier
leicht ins Auge, auch andere Stoffe, vor allem andere Zucker
aber auch Süßstoffe usw. schmecken süß.

Der Vorteil dieser Methode beruht darauf, daß sie den Sinnen
(dem Geschmackssinn) direkt zugänglich ist und daher keiner
abstrakten Überlegung, wie dies z.B. bei chemischen und
physikalischen Bestimmungsmethoden der Fall ist bedarf.

Die Ärzte der Ägypter, Griechen und der Römer wußten offenbar
nichts vom süßen Geschmack, m. a. W. vom Zuckergehalt des
Diabetikerurins. Jedenfalls ist weder im Papyrus Ebers noch in
den Krankheitbeschreibungen von Celsus, Galen oder Aretaios
davon die Rede.

In indischen medizinischen Schriften aber, die um 500 nach
Christus aufgezeichnet wurden, wahrscheinlich aber viel älteres
Wissen mitteilen, taucht der Diabetes unter der
Krankheitsbezeichnung "Honigharn" auf. "Du hast einen
Patienten, der Harn läßt wie ein brünstiger Elefant", so ist in
einer dieser alten Schriften zu lesen, "dessen Harn Honigharn
oder Zuckerrohrharn heißt und dessen Urin süß schmeckt und die
Ameisen und Insekten anlockt."

Die Kenntnisse der Inder und Chinesen gelangten nicht nach
Europa. Erst der Engländer Thomas Willis( (1621 - 1675)
entdeckte, was altindische Mediziner schon lange vorher erkannt
hatten: den süßen Geschmack des Diabetikerharns. Er erklärte:
"Der Diabetes ist eine Erkrankung, bei der vor allem der Urin
gesüßt erscheint, so als ob Zucker oder Honig in ihm gelöst
seien."

Matthew Dobson (1745 - 1784) experimentierte am königlichen
Krankenhaus zu Liverpool. Er berichtet:" Vier Pfund
diabetischen Urins werden bei mäßiger Hitze eingedampft. Der
Rückstand ist eine weiße Masse, vom Geschmack dem braunen
Zucker gleich. Ich glaube, daß beim Diabetes stets eine
zuckerähnliche Masse ausgeschieden wird. Diese, und dafür
spricht der süße Geschmack des Blutserums, ist schon im Blute
präformiert."

Dobson hatte auch den Geschmack des Blutserum untersucht und
dabei gefunden, daß das Blutserum von Diabetikern süß schmeckt,
aber nicht so süß, wie ihr Harn.

Zweifellos hat diese Bestimmungsmethode bei der Erforschung des
Diabetes gute Dienste geleistet. Zur Stoffwechselkontrolle des
Diabetikers eignet sich der Geschmackstest des Urins aus
hygienischen Gründen jedoch nicht.

Literatur: Zitate aus (5)


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