Bücherei
Regal 1
7.1 Die körperliche
Entwicklung
(stoffwechselphysiologischer
Aspekt)
Der Verlauf eines Diabetes mellitus beim Kind
läßt
fast immer 5
deutlich abgegrenzte Phasen erkennen.
Als erste Phase wird diejenige Phase bezeichnet, in
der
die
ersten Krankheitssymptome, wie starker Durst, rasche
Gewichtsabnahme und eine erhebliche Verschlechterung
des
Befindens auftreten. In vielen Fällen ist es in
dieser Phase
schon zum Auftreten eines Präcoma oder eines Coma
gekommen, da
die Syptome zunächst nicht richtig gedeutet
wurden.
Diese Phase
ist mit der ersten Einstellung in der Klinik, bei der
anfänglich relativ viel Insulin benötigt
wird,
abgeschlossen.
Die zweite Phase ist durch eine stabile
Stoffwechsellage
und
einen relativ geringen Insulinbedarf gekennzeichnet.
Gelegentlich wird in der ersten Zeit der stabilen Phase
kein
Insulin mehr benötigt, so daß die
Stoffwechsellage
allein durch
Diät im Gleichgewicht gehalten werden kann. Die
Dauer dieser
stabilen Stoffwechsellage hängt zunächst vom
Alter ab, in dem
sich der Diabetes manifestierte. Je jünger das
Kind
bei der
Diabetesmanifestation war, desto länger hält
diese Phase an.
Sie hängt aber auch von der Güte der
Stoffwechselführung
ab.
Wird in dieser Phase für Kostregulierung, einen
geregelten
Tagesablauf und ausreichende körperliche
Betätigung
wie auch
regelmäßige Stoffwechselkontrolle gesorgt,
so hält sie länger
an.
Man nimmt an, daß diese stabile
Stoffwechsellage
dadurch
zustande kommt, daß in dieser Phase der
Inselapparat
in
eingeschränktem Maße noch
funktionstüchtig
ist. Erst nachdem
die Bauchspeicheldrüße ihre Funktion
vollends
eingestellt hat,
tritt die dritte Phase auf. Nach Untersuchungen der
Diabetologin White endet die stabile Phase bei 40% aller
jugendlichen Diabetiker nach einem Jahr, bei 60% endet
sie nach
zwei Jahren und bei 90% nach 5 Jahren. Nur in seltenen
Fällen
kann die stabile Phase noch länger anhalten.
In der dritten Phase nimmt die benötigte
Insulinmenge
proportional zum Körpergewicht zu. Als groben
Druchschnittswert
kann man angeben, daß pro kg Körpergewicht
eine Einheit Insulin
benötigt wird, um die Stoffwechsellage im
Gleichgewicht
zu
halten. Wenn in der dritten Phase der Insulinbedarf
laufend
steigt, ist es schließlich besser, auf zweimalige
Insulininjektion umzustellen. Häufig ist dann die
Menge des
Insulins bei zweimaliger Injektion niedriger, als die
Insulinmenge, die bei nur einmaligem Spritzen
benötigt
würde
und was vor allem wichtig ist, die Tagesblutzuckerkurve
läßt
sich bei zweimaligem Spritzen infolge der besseren
Anpassungsmöglichkeit gleichmäßiger
gestalten.
Die vierte Phase, die durchschnittlich 5 - 6 Jahre
nach
der
Diabetesmanifestation, spätestens aber beim
Eintritt
in die
Pubertät auftritt, macht sich durch eine instabile
Stoffwechsellage mit starken Blutzuckerschwankungen
bemerkbar.
Die hormonelle Umstellung und die vermehrte
Ausschüttung
von
Wachstumshormonen üben in gewissem Grade eine
negative
Wirkung
auf die Einstellung des Diabetikers aus. Dies ist
jedoch
nicht
der einzige Grund für das Zustandekommen dieser
labilen Phase.
hier wirkt sich auch die während dieser Zeit
bestehende
psychische Labilität vieler, d.h. auch vieler
diabetischer
Jugendlicher negativ auf das Stoffwechselgleichgewicht
aus. Die
Anforderungen in der Schule oder auch im Beruf werden
größer
und es ist nicht mehr so leicht, einen geregelten
Tagesablauf
einzuhalten, wie dies im Kindesalter der Fall war. Eine
gewisse
Rebellion, wie sie für diese Altersgruppe typisch,
gegen jede
Art von überkommenen Ordnungen,
geäußert
wird, betrifft
natürlich auch die Ordnung, die der Diabetes
fordert.
Diese
labile Phase muß zwangsläufig so lange
anhalten,
bis er von
sich aus Prinzipien aufstellt, denen er ihrer
Notwendigkeit
folgend gehorcht, während er früher im
Kindesalter
die
Autorität seiner Eltern und deren Prinzipien
akzeptierte.
Der
junge Mensch muß sich in diesem Alter auch zum
ersten Mal mit
seinem Diabetes selbst bewußt auseinandersetzen.
Er muß seine
Grenzen kennenlernen und es entstehen ihm
zusätzliche
Probleme,
z.b. hinsichtlich der Berufswahl, die zu meistern sind.
Man sollte diese psychischen Faktoren meines
Erachtens
auf
keinen Fall unterschätzen. Sie stellen eine
Belastung
des
Stoffwechsels dar, die nicht durch ein paar Einheiten
Insulin
mehr oder weniger ausgeglichen werden kann.
Die fünfte Phase beginnt mit dem Ende der
Pubertätswachstumsphase, das sich durch ein
gleichbleibendes
Körpergewicht und eine gleichbleibende
Körpergröße
anzeigt. Der
Kalorienbedarf, bezogen auf das Körpergewicht und
somit auch
die Menge der aufgenommenen Kohlenhydrate nimmt nach
Beendigung
des Wachstums ab. Es ist daher ohne weiteres
verständlich,
daß
die nach Abschluß des Wachstums mögliche und
auch nötige
Reduzierung der Kohlenhydratmenge sich in einem
gesenkten
Insulinbedarf ausdrückt. Die Stoffwechsellage ist
jetzt wieder
stabiler, so daß sich der Diabetes leichter
einstellen
läßt.
Literatur: (8)
Die wichtigsten
Schüssel
zur körperlichen Gesundheit
sind: