Bücherei
Regal 1
Die Zellulartherapie beruht m.E. auf der
Ankurbelung
des
Regenerationsprozesses des menschlichen
Organismus.
Nehmen
wir
an, daß eine Zelle im Augenblick ihres
Absterbens
an die
Umgebung Botenstoffe abgibt die den Zellen im um
sie
herumliegenden Zellverband mitteilen, daß
hier
eine Zelle
abstirbt so wäre dies für diese Zellen
das
Signal für einen
Zellteilungsprozess. Durch dieses Signal
würde nun
die am
nächsten liegende Zelle zur Teilung
veranlasst.
Die Steuerung
dieses Regenerationsprozesses könnte durch
einen
Konzentrationskoeffizienten dieses Botenstoffes
gesteuert
werden, sodaß sich immer nur die der
absterbenden
Zelle am
nächsten liegende Zelle teilen würde.
Würden
nun lebende Zellen
eines Tieres in den menschlichen Körper
gebracht,
so würden sie
von der Immunabwehr des Körpers als
körperfremd
erkannt und
getötet. Wenn die tierischen Botenstoffe
dieser
absterbenden
Zellen von gleicher Beschaffenheit sind wie die des
menschlichen Körpers, so könnten sie den
Regenerationsprozess
anregen.
Bei der Zellulartherapie handelt es sich
um eine von
Prof.
Dr.
med. Paul Niehans entwickelte Behandlungsmethode.
Dabei
werden
lebende Zellen aus Organen von Tierföten und
Jungtieren
dem
Menschen injiziert. Da die Zellen in dieser
Lebensphase
sehr
stoffwechselaktiv sind, wurde die Behandlung mit
solchen
Zellen
als sehr wirksam angenommen. Diese Methode
führte
zur sog,
Frischzelltherapie. Dabei wird unmittelbar nach
dem
Schlachtung
des Tieres eine Zellaufschwennung aus dem
zerkleinerten
Organ
hergestellt. Diese wird dem Kranken
intramuskulär
injiziert.
Selbstverständlich wird durch eine sehr
genaue
Untersuchung
des
Spendertieres dafür gesorgt, daß die
Übertragung
von
Krankheitserregern auf den Menschen ausgeschlossen
ist.
Die
erste Injektion von Frischzellen erfolgte am 1-IV
1931
in der
Klinik in Clarens in der Schweiz. Es ist
möglich
die
Zellulartherapie auch mit lyophil getrockneten
Zellen
durchzuführen. Damit könnte die
Zellulartherapie
auch von
Ärzten durchgeführt werden, die das
Zellmaterial
nicht selbst
herstellen können.
Prof. Dr. med Paul Niehans versuchte zu
klären,
ob
es möglich
wäre, durch Injektion von Pankreaszellen den
Diabetes
mellitus
pancreaticus zu heilen.
Zunächst wurden Versuche an Tieren
angestellt.
Jedes
Versuchstier erhielt 15 mg lyophil getrocknetes
Pankrasgewebe
einmalig intramuskulär injiziert, Der
Nüchten-Blutzucker,
der
Blutzucker nach Belastung, wie auch die
Harnzuckermenge
wurden
bis zum 30 Tag nach der Injektion des
lyophilisierten
Pankreasgewebes bei den Versuchstieren
kontrolliert.
Es wurde
beobachtet, daß die Injektion zu einer
signifikanten
Senkung
der pathologisch erhöhten Blutzuckerwerte
führte.
Die
Blutzuckerwerte der Versuchstiere lagen im
Durchschnitt
43%
unter denen der Kontrolltiere, denen keine
Pankreaszellen
injiziert wurden. Auch die Harnzuckerausscheidung
ging
als
Folge der niedrigeren Blutzuckerwerte bei den
Versuchstieren
zurück.
Um therapeutisch wertvolle
Betazellen-Präparate
zu
gewinnen
teilte Prof. Dr. med. Paul Niehans getrennten
Gruppen
jeweils
ihr Aufgabengebiet zu. Die erste Arbeitsgruppe
hatte
die
Aufgabe, die Inselzellen des Pankreas von den
Verdauungssaft
produzierenden Zellen durch tryptische Verdauung
des
Bindegewebes zu trennen. Das Bindegewebe wird
dabei vor
den
Zellen verdaut. Danach muß die Verdauung
sofort
unterbrochen
werden, sobald die 3 Zellarten des Pankreas im
sog.
Balducci-
Apparat isoliert in der Flüssigkeit frei
schwimmen.
Die
Trennung der 3 Zellarten, Alphazellen, Betazellen,
Verdauungssaft produzierende Zellen, könnte
anschließend
auf
Grund ihres unterschiedlichen spezifischen
Gewichtes
vorgenommen werden. Entnimmt man während
dieses
Verdauungsvorganges sukzessive Proben, so kann man
diesen
Vorgang unter dem Mikroskop beobachten. Wird der
Verdauungsvorgang im richtigen Augenblick durch
zufügen
von
physiologischer Koachsalzlösung gestoppt, so
enthält
das
Präparat nur noch freischwimmende Zellen. Das
Präparat
enthält
also in diesem Fall Alpha- und Betazellen und
falls man
einen
foetalen Pankreas verwendet, noch nicht aktive
Verdauungszellen
des foetalen Pankreas, denn die Verdauungszellen
des
Pankreas
nehmen ihre Verdauungssaftsekretion erst nach der
Geburt,
stimuliert durch die erste Nahrungsaufnahme auf,
während
die
Alpha- und Betazellen bereits in foetalem Zustand
voll
funktionsfähig sind.
Die zweite Arbeitsgruppe hatte die
Aufgabe, die
Glucagon
produzierenden Alphazellen von den Insulin
produzierenden
Betazellen zu trennen, nachdem die
Verdauungszellen
entfernt
worden waren. Diese Trennung wurde auf mechanische
Weise,
durch
sieben, zentrifugieren und durch schichtweise
Entnahme
mit der
Pasteur-Pipette versucht, Auch eine Trennung auf
chemische
Weise, durch Schädigung der nicht
gewünschten
Zellart und auf
elektrische Weise wurden versucht.
Die dritte Arbeitsgruppe hatte die
Aufgabe, die
Vermehrung
der
foetalen Beta-Zellen und eine Aktivierung ihrer
Insulinsekretion zu versuchen. Dabei wurde
folgendermaßen
vorgegangen. Es ist bekannt, daß wenn eine
zuckerkranke
Frau
ein Kind erwartet, sich ihre Blutzuckerwerte
normalisieren
und
somit auch ihre Zuckerausscheidung im Urin
verschwindet.
Dies
kommt dadurch zustande, daß der Foetus nicht
nur
sich selbst,
sondern auch den mütterlichen Organismus
durch
seine
Inasulinproduktion beeinflußt. Dadurch
werden die
Betazellen
des foetalen Pankreas zu erhöhter
Insulinsekretion
angeregt.
Die Mutter ist dadurch für die Dauer ihrer
Schwangerschaft
nicht mehr zuckerkrank, wird jedoch nach der
Geburt
ihres
Kindes wieder diabetisch.
Durch diese Mehrarbeit entwickeln sich die
Betazellen
des
foetalen Pankreas sehr stark. Sie hypertrophieren
und
vermehren
sich, so daß sich das im "normalen" Pankreas
bestehende
Verhältnis von 50 Alpha- : 50 Betazellen auf
10
Alpha - : 90
Betazellen verschiebt.
Die Verhältnisse in Tierföten
sind
folglich
für die Herstellung
von therapeutisch wertvollen
Beta-Zellen-Präparaten
sehr von
Interesse. Der foetale Pankreas eignet sich
außerdem
auch
deshalb zur Herstellung von
Beta-Zellen-Präparaten,
weil die
Verdauungszellen in diesem Zustand noch nicht
aktiv
sind,
so
daß bei einer Injektion von Pankreaszellen
auch
ohne
vorangehende Entfernung der Verdauungszellen kein
Verdauungsabszeß an der Injektionsstelle
riskiert
wird.
Die erste Injektion von frischen
Beta-Inselzellen
wurde
am
2.10.1960 in der Klinik in Clarens in der Schweiz
durchgeführt,
Sie wurde, wie die folgenden Injektionen von
Betazellen
reaktionslos aufgenommen und hatte eine den
Blutzucker
senkende
Wirkung
In seinem 3. Situationsbericht - B -
Zellen der
Inseln
des
Pankreas im Kampfe gegen Diabetes mellitus
pankreaticus
-
veröffentlicht Prof. Paul Niehans einige
kasuistische
Beispiele. Da sich dieser Bericht meines Erachtens
nahezu
unglaublich anhört, halte ich es für
nötig,
2 dieser Beispiele
daraus zu zitieren.
>>Herr P.C. geb 1899: Zuckerkrank
seit April
1960. starkes
Durstgefühl.
15 Stunden nach Absetzen jeder
Medikamentation unter
Beibehaltung der Diät wurde sein
Blutzuckerspiegel
nüchtern
bestimmt.
Resultat: 122mg/%
Der Belastungstest mit 50 g Glucose ergab
nach 30 min 154 mg/%
nach 90 min 141 mg/%
Am 3. 10. 1960 Frischzellen-Injektion
(incl.
B-Inselzellen).
Die Kontrollen an den folgende Tagen schwanken
zwischen
122 und
83 mg/%
Der Patient wird am 31.10. mit einem
Blutzuckerspiegel
von 105
mg/% entlassen, mit der Bitte, uns monatlich das
Resultat
des
Zuckergehaltes seines Blutes mitzuteilen.<<
Da Herr P.C. seinen Diabetes im Alter von
61 Jahren
bekommen
hat, dürfte es sich bei dem Patienten um
einen
Altersdiabetiker
gehandelt haben. Der positive Effekt der
Behandlung
wäre
danach
auf eine Regeneration des Inselzellsystemes also
einer
Teilung
von körpereigenen Beta-Zellen provoziert
durch die
Botenstoffe
der absterbenden tierischen Betazellen
zurückzuführen.
Heute wird von zahlreichen Autoren
angenommen,
daß
der Typ 1
Diabetes die Folge eines fehlgeleiteten
Immunsystems
ist,
welches die körpereigenen Betazellen des Typ
1
Diabetikers
zerstört. In diesem Fall könnte durch
diese
Therapieform
wahrscheinlich keine Besserung des
Stoffwechselzustandes
erreicht werden, da entweder die durch Teilung neu
gebildeten
Betazellen wieder vom fehlgeleiteten Immunsystem
angegriffen
würden bzw. da nach Zerstörung der
letzten
Betazelle durch das
fehlgeleitete Immunsystem keine Zellen mehr
vorhanden
sind,
welche zur Teilung veranlasst werden können.
Fallbeispiel 2:
>>Herr N.W. geb. 1887:
Zuckerkrankheit als
Alterserscheinung
seit 1943 mit schwerem Augenleiden seit 1959
15 Stunden nach Absetzen jeder
Medikamentation unter
Beibehaltung der Diät wurde der
Blutzuckerspiegel
nüchtern
bestimmt.
Resultat:161mg/%
Die Belastungsprobe mit 50 g Glucose ergab
nach 30 min 212mg/%
nach 90 min 228mg/%
Am 6. 10. 1960 Frischzellen-Injektion
(incl. frische
B-
Inselzellen).
Die Kontrollen an den folgenden Tagen
schwanken
zwischen
197
und 115mg/%. Der Patient wird am 3.11.1960 mit
einem
Blutzuckerspiegel von 118 mg/% entlassen, mit der
Bitte
uns
monatlich das Resultat des Zuckergehaltes seines
Blutes
mitzuteilen.<<
Prof. Paul Niehans schreibt dazu:>>
Wir
können das
Zahlenverhältnis tierischer A- und B-Zellen
beliebig
kombinieren von 50 : 50 bis auf 95 % B - : 5 %
A-Inselzellen.
es gilt nun, die optimale Proportion und die
notwendige
Injektionsmenge bei verschiedener Höhe des
Blutzuckerspiegels
beim Menschen zu bestimmen. Wie lange die Wirkung
anhält,
werden wir nach Jahren, wenn wir genügend
Rückblick
haben,
beurteilen können.<<
Seit 1960 sind mittlerweile Jahrzehnte
vergangen, es
ist
mir
jedoch bisher nicht gelungen, festzustellen, wie
sich
die
Entwicklung auf diesem Gebiet vollzogen hat und
aus
welchen
Gründen diese so vielversprechende Therapie
heute
nicht in
großem Umfang durchgeführt wird.
Vielleicht
spielen allergische
Reaktionen des menschlichen Körpers gegen
artfremde
Zellen
dabei eine Rolle. Weitere Gründe für die
Tatsache,
daß sich
alternative Therapieformen nur schwer durchsetzen
können
wurden
bereits in der Einleitung zu diesem Kapitel kurz
angeschnitten.
Literatur: Die Zellulartherapie
Referatenblatt
B-Zellen der Inseln des Pankreas im Kampfe
gegen Diabetes mellitus pancreaticus
3. Situationsbericht von Prof. Dr. med. Paul
Niehans
Burier/Vevey (Schweiz) 16. XI. 1960
B-Inselzellen zur Heilung des Pankreas
Diabetes
mellitus von Prof. Paul Niehans.
Burier / La Tour De Peilz Schweiz
Gesundheitsbrockhaus
Und
hier noch mein
persönlicher Tipp
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Die wichtigsten
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zur körperlichen Gesundheit
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