Bücherei
Regal 1
Bevor man versuchte eine Heilung des
Diabetes
dadurch
zu
erreichen, daß man Langerhans'sche Inseln
transplantierte
versuchte man zunächst die gesamte
Bauchspeicheldrüse
zu
transplantieren. Diese Operation ist jedoch, schon
durch
die
Lage der Bauchspeicheldrüse, kompliziert.
Deshalb wurde seit 1966 versucht, nicht
die gesamte
Bauchspeicheldrüse zu transplantieren,
sondern nur
die
Langerhans'schen Inseln aus dem Pankreas des
Spenders
zu
isolieren und dem Empfänger an "beliebiger"
Stelle
des Körpers
z.B. im Muskelgewebe einzupflanzen, da es
zunächst
einmal
gleichgültig ist, an welcher Stelle des
Körpers
das Hormon
Insulin abgegeben wird, die dabei angewandte
Mikrotechnik
war
jedoch damals ebenfalls sehr kompliziert und
führte
nur zu
einer geringen Zahl von Inselklumpen.
Dr. Thomas und Mitarbeiter vom Royal
Hospital
Sheffiled
haben
bereits 1973 eine Methode entwickelt mit der sich
eine
große
Anzahl von Langerhans'schen Inseln gewinnen
läßt.
Sie haben
dazu Bauchspeicheldrüsen von frisch
getöteten
Ratten oder
Kaninchen verwendet. Sie haben die Drüse
zerkleinrt
und dann
einer speziell zu diesem Zweck entwickelten sog.
Kollagenase-
Behandlung unterzogen. Der gesamte Vorgang hat
damals
15
Minuten gedauert. Er ergab ca. 350 Inseln pro
Pankreas.
Die
Inseln waren unter dem Mikroskop bei
Dunkelfeldbeleuchtung
als
gelblichweise Bereiche sichtbar und konnten mit
der
Pipette
herausgeholt werden. Die Struktur der Zellen
erschien,
nach dem
mikroskopischen Bild beurteilt, normal. Die Inseln
wurden
danach in Tiere desselben Inzuchtstammes
eingepflanzt,
um ihre
Funktionsfähigkeit zu überprüfen.
Eine Kontrolle hatte ergeben, daß
die Zellen
noch
einen Monat
nach der Transplantation lebens- und
funktionsfähig
waren.
Während bei der Frischzelltherapie
ein sog.
organspezifischer
Regenerationseffekt hervorgerufen werden soll,
wobei
der
Untergang artfremder Zellen im Körper des
Menschen
bewusst in
Kauf genommen wird, ja gerade Voraussetzung
für
das Gelingen
dieser Therapieform ist, wird bei der
Transplantation
von
Langerhans'schen Inseln versucht
gewissermaßen
einen
lebensfähigen Symbionten in den Körper
einzupflanzen,
welcher
anstelle der untergegangenen Inselzellen die Rolle
des
Insulinproduzenten übernehmen soll.
Dazu muß dieser Insulinproduzent
natürlich
de facto am Leben
bleiben. Wird er von der Immunabwehr als
körperfremd
erkannt
und zerstört oder in Bindegewebe eingebaut
und
dadurch
sozusagen ausgehungert oder erstickt, so
würde in
der Folge
davon die Insulinproduktion des künstlichen
Symbionten
erlöschen und die Therpie wäre erfolglos.
Bis zum heutigen Tag werden
Transplantationen von
Bauchspeicheldrüsen oder Langerhans'schen
Inseln
nur in ganz
seltenen Fällen durchgeführt.
Dies liegt einerseits an den
Schwierigkeiten die
durch
die
Aabstoßungsreaktion des Körpers auf
körperfremde
Organe
auftritt andererseits aber auch an den am Anfang
des
Kapitels
angeschnittenen Hemmnissen mit denen alle Versuche
einer
Reversibilisierung der diabetischen
Stoffwechselstörung
konfrontiert werden.
Secundärliteratur: Naturw. RSCH; 27
Jahrg. Heft
4
1974, S. 156
Primärliteratur: D. R. Thomas, M. Fox
A. A.
Grieve,
Nature 242, 259 (1973)
Die wichtigsten
Schüssel
zur körperlichen Gesundheit
sind: