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9.2 Heilung durch Transplantation von Langerhans'schen Inseln

Bevor man versuchte eine Heilung des Diabetes dadurch zu
erreichen, daß man Langerhans'sche Inseln transplantierte
versuchte man zunächst die gesamte Bauchspeicheldrüse zu
transplantieren. Diese Operation ist jedoch, schon durch die
Lage der Bauchspeicheldrüse, kompliziert.

Deshalb wurde seit 1966 versucht, nicht die gesamte
Bauchspeicheldrüse zu transplantieren, sondern nur die
Langerhans'schen Inseln aus dem Pankreas des Spenders zu
isolieren und dem Empfänger an "beliebiger" Stelle des Körpers
z.B. im Muskelgewebe einzupflanzen, da es zunächst einmal
gleichgültig ist, an welcher Stelle des Körpers das Hormon
Insulin abgegeben wird, die dabei angewandte Mikrotechnik war
jedoch damals ebenfalls sehr kompliziert und führte nur zu
einer geringen Zahl von Inselklumpen.

Dr. Thomas und Mitarbeiter vom Royal Hospital Sheffiled haben
bereits 1973 eine Methode entwickelt mit der sich eine große
Anzahl von Langerhans'schen Inseln gewinnen läßt. Sie haben
dazu Bauchspeicheldrüsen von frisch getöteten Ratten oder
Kaninchen verwendet. Sie haben die Drüse zerkleinrt und dann
einer speziell zu diesem Zweck entwickelten sog. Kollagenase-
Behandlung unterzogen. Der gesamte Vorgang hat damals 15
Minuten gedauert. Er ergab ca. 350 Inseln pro Pankreas. Die
Inseln waren unter dem Mikroskop bei Dunkelfeldbeleuchtung als
gelblichweise Bereiche sichtbar und konnten mit der Pipette
herausgeholt werden. Die Struktur der Zellen erschien, nach dem
mikroskopischen Bild beurteilt, normal. Die Inseln wurden
danach in Tiere desselben Inzuchtstammes eingepflanzt, um ihre
Funktionsfähigkeit zu überprüfen.

Eine Kontrolle hatte ergeben, daß die Zellen noch einen Monat
nach der Transplantation lebens- und funktionsfähig waren.

Während bei der Frischzelltherapie ein sog. organspezifischer
Regenerationseffekt hervorgerufen werden soll, wobei der
Untergang artfremder Zellen im Körper des Menschen bewusst in
Kauf genommen wird, ja gerade Voraussetzung für das Gelingen

dieser Therapieform ist, wird bei der Transplantation von
Langerhans'schen Inseln versucht gewissermaßen einen
lebensfähigen Symbionten in den Körper einzupflanzen, welcher
anstelle der untergegangenen Inselzellen die Rolle des
Insulinproduzenten übernehmen soll.

Dazu muß dieser Insulinproduzent natürlich de facto am Leben
bleiben. Wird er von der Immunabwehr als körperfremd erkannt
und zerstört oder in Bindegewebe eingebaut und dadurch
sozusagen ausgehungert oder erstickt, so würde in der Folge
davon die Insulinproduktion des künstlichen Symbionten
erlöschen und die Therpie wäre erfolglos.

Bis zum heutigen Tag werden Transplantationen von
Bauchspeicheldrüsen oder Langerhans'schen Inseln nur in ganz
seltenen Fällen durchgeführt.

Dies liegt einerseits an den Schwierigkeiten die durch die
Aabstoßungsreaktion des Körpers auf körperfremde Organe
auftritt andererseits aber auch an den am Anfang des Kapitels
angeschnittenen Hemmnissen mit denen alle Versuche einer
Reversibilisierung der diabetischen Stoffwechselstörung
konfrontiert werden.

Secundärliteratur: Naturw. RSCH; 27 Jahrg. Heft 4
1974, S. 156

Primärliteratur: D. R. Thomas, M. Fox A. A. Grieve,
Nature 242, 259 (1973)


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Ihr Hugo R.Vogel .
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