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9.4. Die künstliche
Bauchspeicheldrüse
An der Universität
in Ulm wurde in
Zusammenarbeit
mit einer
amerikanischen Gerätefirma von einer Arbeitsgruppe um Herrn
Prof. Pfeiffer bis 1975 eine künstliche Bauchspeicheldrüse
entwickelt. Sie war damals ungefähr so groß wie ein
Kühlschrank
Der Patient wurde an die künstliche Bauchspeicheldrüse
über
eine Kanüle, die in die Armvene eingeführt wurde,
angeschlossen. Diese diente der Blutentnahme zur ständigen
Kontrolle des Blutzuckers. Am anderen Arm befand sich der
Anschluß für das Insulin und andere Substanzen, die dem
Körper
während der Behandlung zugeführt werden müssen. Die
gesamte
Anlage war damals schon computergesteuert. Um die
Funktionsfähigkeit der Anlage zu kontrollieren, wurde zunächst
ein Testprogramm vom Arzt vorprogrammiert. Danach mußte der
Patient eine Einheitsmahlzeit zu sich nehmen, die genau 100 g
Glucose entsprach.
Ca. 20 min später hat die erste Glucose den Blutkreislauf
erreicht. Verfügt der Patient über kein eigenes Insulin mehr,
so steigt der Blutzuckerspiegel jetzt stark an. Wie stark der
Blutzucker nach 100 g oral aufgenommener Glucose ansteigt,
zeigt in etwa folgende Zeichnung nach (g) Abb 24.
Ausgezogene Kurve: Verlauf der Blutzuckerkurve beim
Stoffwechselgesunden
Gestrichelte Kurve: Verlauf der Blutzuckerkurve beim
Diabetiker
Gepunktete Linien: Grenzen der normalen Blutzuckerwerte
Man muß jedoch beachten, daß diese
Kurven
nach
oraler Gabe von
100g reiner Glucose aufgenommen wurden (Glucosetoleranztest).
Daraus ergibt sich die Tatsache, daß der Blutzuckeranstieg
sofort bei 0 Std. beginnt.
Die erste Funktionseinheit der künstlichen Bauchspeicheldrüse
bildete ein Meßgerät zur ständigen Blutzuckerkontrolle.
Dazu
wurde tropfenweise von einer Spezialpumpe Blut angesaugt.
Dazwischenliegende Luftblasen sind für den reibungslosen
Transport des Blutes unerläßlich. Danach wurde die
Blutzuckermessung nach der photometrischen Methode
durchgeführt. Das verwendete Spektralphotometer war schon
damals Standard. Solche Geräte wurden schon Jahre für die
automatische Bestimmung von Blutzuckerwerten in Kliniken
verwendet. nach der Blutzuckerbestimmung hielt ein
Registriergerät den Wert fest. Während ein Schreibgerät
diese
Daten notierte, rechnete der Computer in Sekundenschnelle den
Insulinbedarf aus. währendessen erfolgte schon die erste
Insulingabe. ein genau arbeitendes Dosierungssystem führte
automatisch die erforderliche Insulinmenge zu, so daß der
Blutzuckerspiegel wie beim Gesunden unter 150mg/% blieb. Sank
er zu tief, so wurde er durch eine geringe intravenöse
Glucosezufuhr wieder auf den Normalwert gebracht. Diese
Nachahmnug des natürlichen Regelkreises ließ erstmalig den
Insulinmangel künstlich optimal ausgleichen.
Das wesentliche an dem neuen Instrument war, daß es
außerordentlich starke Impulse für die weitere Verbesserung
der
Behandlung der Zuckerkrankheit gegeben hat. Mit einem einzigen
Instrument war es möglich, den wesentlichen Nachteil der
bisherigen Substitutionstherapie, nämlich die Secretionsstarre
zu korrigieren. dadurch konnte nicht nur der Blutzuckerhaushalt
total normalisiert werden, sondern auch alle anderen Symptome
des Diabetes beseitigt werden.
Als weitgestecktes Ziel schwebte den Forschern die
einpflanzbare künstliche Bauchspeicheldrüse vor. Dieses Ziel
wurde aber in den vergangenen Jahren nicht erreicht.
Literatur: (g) Dr. Herbert Klug, Hormone und Enzyme,
Die neue Brehm Bücherei s. 67
Quelle: Fernsehsendung, Bilder aus der Wissenschaft
Magazin von Günther Siefahrt, Do. 30. 1. 1995
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