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  9.5. Heilung durch Genreperatur

Man kann zunächst, rein theoretisch, die Möglichkeit der
Heilung einer Stoffwechselkrankheit durch Reparatur des
fehlerhaften Gens postulieren. Dann sind zwei Wege der Heilung
denkbar. Die somatische Gentherapie und die Keimbahntherapie.

Bei der ersteren Methode würde die DNS der Somazellen
repariert. Dadurch würden diese ihre Funktion im Körper wieder
aufnehmen und dadurch eine Heilung des an einem ererbten
Gendefekt leidenden bewirken. Natürlich würde ein auf diese
Weise Geheilter seine defekte Anlage weitervererben. Daraus
folgt, daß bei einer zweiten Methode eine direkte Manipulation
des Erbgutes zur "endgültigen Reperatur" der fehlerhaften DNS
vorgenommen werden müßte. Dies hört sich zunächst utopisch an
und eröffnet Spekulationen auf einen völlig neuen Menschen. In
der Bundesrepublick Deutschland ist die Keimbahntherapie
derzeit verboten, als Grund für dieses allgemeine Verbot wird
die Gefahr des Mißbrauchs dieser Technologie genannt. Dies wird
m.E. allerdings lediglich dazu führen, daß diese Therapie
zunächst in anderen Ländern durchgeführt wird.

Bereits im Jahre 1972 wurde von einem Team des amerikanischen
Zukunftsforschers Olaf Helmer eine Studie vorgelegt, die
nachwies, daß der "neue Mensch" als Produkt medizinischer
Forschung, der Mensch von Menschenhand, in den Laboratorien
bereits in Planung sei. Darin wurde ausgesagt, daß spätestens
im Jahre 1986 das Geschlecht der Nachkommen fast sicher
vorherbestimmbar sein wird und daß weibliche Eizellen im
Reagenzglas befruchtet werden würden.

Die Futurologen haben sich allerdings getäuscht. Nicht wie
prognostiziert 1986 sondern bereits Anfang Juli 1974 bestätigte
der englische Fetusforscher Douglas Bevis, was Fachleute schon
vorher vermutet hatten, nämlich, daß bereits drei Kinder in
Westeuropa im Reagenzglas gezeugt wurden.

Damals wurden zum ersten mal Frauen, die voll über das
Experiment informiert waren, Eizellen entnommen und in einem
Glaskolben mit männlichem Sperma vermischt. Nachdem sich die
befruchtete Eizelle mehrmals geteilt hatte, wurde sie in die
Gebärmuttter zurückverpflanzt. Neun Monate später erblickte das
"Laborexperiment" das Licht der Welt.

Kalifornischen Genetikern gelang es bereits vor 25 Jahren über
Artgrenzen hinweg Bakteriengene in tierische Zellen einzubauen.
Die Tierzellen wiesen danach jene zusätzlichen Fähigkeiten auf,
die in den Genen des Bakteriums gespeichert waren.

Bis heute gibt es allerdings keine Gentherapie des Diabetes
mellitus. Weder des Typ 1 noch des Typ 2.
 

Quelle: Stuttgarter Tageszeitung Nr. 246 23. Okt.1974
Seite 15 Rubrick "aus Wissenschaft und Technik"


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Ihr Hugo R.Vogel .
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