Am einfachsten läßt sich diese Frage mit
dem Hinweis auf ein Spiel beantworten, das
manche von uns in Ihrer Kindheit gespielt
haben. Sie wissen was passiert, wenn man
in einem abgedunkelten Raum ein Blitzlicht
mit der Handfläche umschließt. Wenn das
Blitzlicht aufleuchtet, dann glüht die
Rückseite der Hand hellrot auf.
Dies nennen die Fachleute eine
nicht-invasive Untersuchung. Derjenige,
der das Licht durch die Hand geschickt
hat, kann dadurch die Farbe des Blutes
erkennen, ohne dazu in die Hand stechen zu
müssen. Wäre unser Blut grün, so würde die
Rückseite der Hand bei diesem Experiment
grün schimmern.
An dem Beispiel mit dem Blitzlicht sieht
man das rote Glühen mit dem bloßen Auge.
Wir können aber das Auge auch durch ein
elektronisches Gerät ersetzen, das für
Lichteinfall empfindlich ist. Ein solches
Gerät verwandelt das Licht in elektrische
Energie - so wie die Solarzellen auf der
Oberfläche eines Raumschiffes das
Sonnenlicht in elektrische Energie
umwandeln können.
Anfang der sechziger Jahre begann man an
der Abteilung für Landwirtschaft in den
Vereinigten Staaten damit Licht
aufzuspüren, das durch Gegenstände
gedrungen war, von denen man normalerweise
annehmen würde, daß sie undurchsichtig
sind; z.B durch einen Apfel. Obwohl man
mit bloßem Auge kein Licht durch einen
Apfel schimmern sehen kann, gelangt in
Wirklichkeit doch ein kleines bißchen
Licht hindurch. Die Helligkeit und die
Farbe dieses Lichtes kann man mit einem
optischen Meßgerät feststellen.
Wenn man einen Apfel aufschneidet und dann
sieht, daß er innen noch grün ist, dann
ist er aller Voraussicht nach noch sauer
und wahrscheinlich ungenießbar. Natürlich
kann man den Apfel nachher nicht mehr
aufbewahren um zu warten bis er vollends
reif ist, weil er jetzt ja faulen würde.
Selbstverständlich würden sich faule Äpfel
nicht mehr verkaufen lassen.
Deshalb beschäftigten sich die Forscher
mit der Frage: Wie messe ich den
Zuckergehalt eines Apfels ohne ein Loch in
ihn hinein stechen zu müssen. Es wurde
entdeckt, daß das Problem mit der
Lichtdurchlaß-Methode gelöst werden kann.
Man ließ weißes Licht auf einen Apfel
scheinen und überprüfte mit Meßapparaturen
die Farbe des Lichtes, das auf der anderen
Seite des Apfels herauskam. War das Licht
gelb, dann war der Apfel reif. War das
Licht grün, so war der Apfel sauer. War
das Licht aber braun, dann war er faulig
geworden und mußte aussortiert werden. Die
Technologie der nicht-invasiven
Zuckerbestimmung wird seither in der
Landwirtschaft zum sortieren von
unterschiedlich süßen Früchten angewendet.
In der Zwischenzeit ist die Anwendung
dieser Methode in der
Nahrungsmittelindustrie weit verbreitet.
Es wird mit dieser Methode zum Beispiel
der Zuckergehalt von Melonen oder
Grapefruits bestimmt. Grüne Tomaten werden
auf diese Weise ausgemessen, um
vorhersagen zu können wie lange es noch
dauern wird bis sie rot werden. Sogar
ganze Kartoffeln werden ausgemessen um
vorhersagen zu können, welche Farbe die
aus ihnen hergestellten Kartoffelchips
einmal haben werden.
Anstelle einer Frucht kann man nun
natürlich auch seinen Finger in den
Strahlengang der Meßapparatur halten um
den Zuckergehalt verletzungsfrei zu
bestimmen. Ist das Blut ungewöhnlich süß,
so handelt es sich bei der Person um einen
Diabetiker. Ein Gerät, das auf diese Art
und Weise den Blutzucker ohne Teststreifen
bestimmt nennt man nichtinvasives
Blutzuckermessgerät oder noninvasives
Blutzuckermessgerät.